Barbie und der "Kokain-Putsch"

Klaus Barbie, der für seine Grausamkeit berüchtigte Gestapo-Chef von Lyon, soll nach seiner Flucht nach Bolivien enge Kontakte zu Drogenbossen unterhalten haben - mit Kokain-Geldern kam damals ein rechter Diktator an die Macht. Auch der Name Pablo Escobar fällt.

Der nach Südamerika geflüchtete NS-Verbrecher Klaus Barbie soll während seiner Zeit in Bolivien Kokaingeschäfte im großen Stil unterstützt haben, um einem Diktator an die Macht zu verhelfen. "Barbie war das Bindeglied zwischen Militärs, Politikern und der Drogenmafia um Roberto Suárez", sagte der Filmemacher Peter F. Müller der Deutschen Presse-Agentur in Rio de Janeiro - am 8. September läuft bei Arte ein Dokumentarfilm mit entsprechenden Erkenntnissen.

Opposition verfolgt

Am 17. Juli 1980 kam es in Bolivien zum Putsch von General Luis García Meza, die brutale Militärdiktatur finanzierte sich unter anderem über Einnahmen aus dem Kokainschmuggel und wurde von den Drogenhändlern aktiv unterstützt - linke Kräfte wurden damals verfolgt, führende Oppositionelle starben. Suárez galt damals als einer der führenden Drogenhändler der Welt. Immer wieder war auch der aufstrebende kolumbianische Drogenboss Pablo Escobar in Bolivien, der zum Großabnehmer von Kokapaste wurde, dem Rohmaterial für Kokain. Der Sohn des im Jahr 2000 verstorbenen Suárez bestätigte der Deutschen Presse-Agentur regelmäßige Treffen seines Vaters mit Barbie Anfang der 80er Jahre. "Barbie hatte eine sehr enge Verbindung zu meinem Vater. Und mein Vater zu Escobar", sagte Gary Suárez. Wegen der offensichtlichen Verstrickungen in den Drogenhandel gab es großen internationalen Druck, die Meza-Diktatur hielt sich rund ein Jahr. 1983, nach dem Übergang zur Demokratie, wurde Barbie an Frankreich ausgeliefert. Verurteilt zu lebenslanger Haft, starb er dort 1991. General Garcia Meza wurde zu 30 Jahren Haft in Bolivien verurteilt, die er noch absitzt. Er ist seit Wochen krank.

"Schlächter von Lyon"

Barbie ging als "Schlächter von Lyon" in die Geschichte ein. Er war dort von 1942 bis 1944 Gestapo-Chef. Ein Militärgericht verurteilte ihn in Lyon 1954 in Abwesenheit zum Tode. Der unter dem Namen Klaus Altmann in Bolivien lebende Barbie soll enge Beziehungen zum Meza-Regime unterhalten und Unterstützer für den Putsch gesucht haben. "Das ist ein Kernteil unseres Films, die Verstrickung Barbies in den sogenannten Kokainputsch von García Meza", betonte Müller. Er hat zusammen mit Michael Mueller drei Jahre recherchiert und stieß dabei unter anderem auf 180 Seiten umfassende Memoiren Barbies. Barbie war auch zeitweise in Diensten des Bundesnachrichtendienstes und hat mit US-Geheimdiensten kooperiert.
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