Bayern im Mittelfeld

Nach dem gesetzlichen Anrecht auf einen Krippenplatz haben die Kommunen die Kinderbetreuung massiv ausgebaut. Auch in Bayern. Ganz vorne liegt aber ein anderes Bundesland.

Bei der Betreuung in Krippen und Kindergärten liegt Bayern im bundesweiten Vergleich im Mittelfeld. Nach einer am Montag vorgestellten Studie der Bertelsmann-Stiftung kamen 2014 auf eine Vollzeitkraft statistisch 3,8 Krippenkinder in der Ganztagsbetreuung sowie 9 Kindergartenkinder. Spitzenreiter ist Baden-Württemberg mit 3,1 Kitakindern und 7,7 Kindergartenkindern.

Den Experten zufolge ist Bayern "den Empfehlungen der Bertelsmann-Stiftung für ein kindgerechtes Betreuungsverhältnis nicht wesentlich näher gekommen". Demnach sollte in Kitas eine Erzieherin für höchstens drei Kinder verantwortlich sein, in Kindergärten sollte der Betreuungsschlüssel höchstens bei 1 zu 7,5 liegen.

Flüchtlinge kein Problem

Bayerns Familienministerin Emilia Müller (CSU) sieht dagegen einen positiven Trend, "vor allem beim Ausbau der Kinderbetreuungsangebote, der Personalkapazitäten und den Fortschritten im Bereich der Inklusion".

Das Ministerium rechnet nicht damit, dass die hohe Zahl von Flüchtlingskindern die Situation in Kitas und Kindergärten verschärfen wird. Vorrangig nähmen Einrichtungen mit freien Kapazitäten die Flüchtlingskinder auf, sagte ein Sprecher. Für Kinder mit Migrationshintergrund erhielten die Kitas mehr Geld. Trotz Fortschritten in Krippen und Kitas sieht Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) noch viel Luft nach oben. "Bei der Qualität der Kindertagesbetreuung haben wir noch einen längeren Weg vor uns", erklärte die Ministerin am Montag. Die Studie hatte ergeben, dass es beim für die Qualität entscheidenden Betreuungsschlüssel in den Einrichtungen zwar einen positiven Trend gebe. Dennoch sei immer noch zu wenig Personal in den Kitas.

Einheitliche Standards

Arbeiterwohlfahrt und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mahnten bundesweit einheitliche Standards an. Zudem müsse der Bund Geld für die frühkindliche Bildung locker machen, forderte die GEW.

Laut Studie kamen 2014 auf eine Vollzeitkraft im Schnitt 4,4 Krippenkinder in der Ganztagsbetreuung, oder 9,5 Kindergartenkinder. Zwei Jahre zuvor waren die Durchschnittswerte mit 4,8 und 9,8 noch schlechter. Damit ist die Qualität in bundesdeutschen Kitas und Kindergärten dank einem Plus beim Personal besser geworden. Die Experten der Stiftung gehen von einem Idealwert von 1 zu 3 in der Betreuung der Kleinsten und von 1 zu 7,5 ab drei Jahren aus. Der Betreuungsschlüssel ist laut Studie ein wichtiges Qualitätsmerkmal.

Baden-Württemberg vorne

Die Fortschritte sind laut dem "Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme" in den 16 Bundesländern unterschiedlich. Die besten Werte hat Baden-Württemberg mit 3,1 und 7,7 (2012: 3,5 und 8,6). Zwar hat Hamburg vor allem im Kindergartenbereich aufgeholt, die Hansestadt bleibt aber bei der Krippenbetreuung mit einem Betreuungsschlüsssel von 5,1 (2012: 5,7) Schlusslicht im Westen.

"Die Personalschlüssel sind längst noch nicht überall kindgerecht und pädagogisch sinnvoll, aber der Trend ist positiv", sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung zu den Zahlen. Weiterhin registrieren die Forscher ein starkes Gefälle zwischen Ost und West. In den neuen Bundesländern müssen sich die Erzieherinnen um deutlich mehr Kleinkinder kümmern (1 zu 6,1) als im Westen (1 zu 3,6).

Auch in den Kindergartengruppen ist der Personalschlüssel im Westen mit 1 zu 8,9 deutlich besser als im Osten mit 1 zu 12,4. Allerdings gehen im Osten mit 46,6 Prozent erheblich mehr Kinder unter drei Jahren in Kitas als im Westen (22,7 Prozent).
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