Berauschter Musikant von Amtsgericht verurteilt
Nachspiel für Neujahrsanblasen

Sebastian Meier mit Instrument und blauem Auge am Ort des Geschehens. Das Bild entstand wenige Tage nach der Holzstoß-Havarie am 7. Januar 2012. Archivbild: upl
Amberg. (hwo) Sehr schön und bodenständig, dieser Brauch. In der ersten Woche des Jahres 2012 machten sich Musikanten in der Gemeinde Ursensollen auf den Weg, um den Bürgern ein Neujahrsständchen zu spielen. Sie zogen auch in das Dorf Zant, legten sich musikalisch ins Zeug und bekamen - auch das ist so oberpfälzische Sitte - an jeder Auftrittsstätte einen Schnaps kredenzt. Das führte am Nachmittag jenes 7. Januar zu etwa zwei Promille bei Sebastian Meier (32), einem weithin bekannten Vollblut-Musikanten, der dem Wanderorchester angehörte.

Was dann passierte, glich zunächst einer Provinzposse. Der wackere Bläser, eben mit seinen Mitstreitern auf einem landwirtschaftlichen Anwesen eingetroffen, fiel im Nebel seiner Sinne gegen einen Holzstoß. Der stürzte mit Getöse ein und begrub den Musikanten unter sich. Ab dann wurde die Posse zu einer Art Kriminalfall. "Wie unter einer Lawine eingekeilt", schilderte jetzt ein Mitstreiter des Unglücksraben die Lage und beschrieb, wie er Feuerwehr samt Rettungsdienst nach Zant alarmierte.

Sogar mit Pfefferspray

Als Hilfsmannschaften vorfuhren, war der von Holzscheiten begrabene Musikant bereits geborgen. Unversehrt zwar, doch eher verdrossen. Der Notarzt wollte seine Personalien. Schon da sollen unfeine Worte gefallen sein. Kurz darauf erschienen zwei Amberger Polizisten. Seinerzeit 33 und 43 Jahre alt, von daher also eher erfahrene Leute. Ab dann ging es rund. Auch sie wollten die Daten des verunfallten Neujahrsbläsers. Doch der soll recht barsch gewesen sein.

Der Zwist eskalierte. Musste er das? "Es wurde überzogen reagiert", sagten manche Zeugen. Die Beamten aber sahen das ganz anders. Sie schilderten, dass der Betrunkene Widerstand geleistet habe, zu Beleidigungen ansetzte, man sogar Pfefferspray einsetzen musste, um ihn zu bändigen. Da sei zu reagieren gewesen. Die Situation schaukelte sich hoch. Meier, den die Polizisten offenbar duzten und der seinen allem Anschein nach ohne amtliche Kopfbedeckung erschienenen Widersachern riet, sie mögen doch erst einmal ihr "Höitl aufsetzn" (zu deutsch: "Die Dienstmütze auf den Kopf nehmen"), mochte sich nicht zum Streifenwagen führen lassen. Er wehrte sich. Das Gerangel führte zu jähem Schmerz in der Schulter eines der Ordnungshüter. Die Folgen waren fatal: Sehnenschaden, drei Monate dienstunfähig, bis heute Schmerzen. Ärztlich belegt.

Das Neujahrs-Drama von Zant ging weiter. "Er hat uns im Wagen erneut beleidigt", hörte Richterin Katrin Rieger. Auf der Wache angelangt, ließ sich der Blechmusikant ins Revier tragen. Dabei soll er, wie die Uniformierten versicherten, mit dem Kopf heftig gegen eine Tür gestoßen sein. Man sperrte ihn in die Arrestzelle, ein paar Stunden später durfte er nach erfolgter Blutentnahme gehen. Auch dabei soll der 32-Jährige noch einmal einen Polizisten "Depp" genannt haben.

Gewisse Widerstandshandlungen gab Meier im Prozess zwar zu, Beleidigungen stellte er strikt in Abrede. In der Zwischenzeit hat er 20 000 Euro Schadenersatzforderungen wegen des Dienstausfalls des verletzten Polizisten am Hals. Musste diese Auseinandersetzung so eskalieren? Sie hätten keine andere Wahl gehabt, unterstrichen die Ordnungshüter. Gleichwohl aber sagte die Richterin später: "Es ist möglich, dass überreagiert wurde."

War es Vorsatz?

Das änderte aber nichts an einer Verurteilung wegen vorsätzlicher Körperverletzung, Widerstand und Beleidigung. Genau diesen Vorsatz hatte Verteidiger Ferdinand Rieppel vermeiden wollen. "Es war fahrlässige Körperverletzung", sagte er im Plädoyer. Damit hätte die Versicherung die zivilrechtlichen Folgen bezahlen müssen. Doch Staatsanwältin Daniela Spieß und Richterin Rieger waren anderer Ansicht. "Wer so etwas tut, nimmt Verletzungen billigend in Kauf." Auch bei zwei Promille.

Das Urteil: 1800 Euro Geldstrafe für den bisher unbescholtenen Musikanten. Viel heftiger aber werden ihn die privaten Forderungen treffen. Ungeklärt blieb freilich, warum erst knapp drei Jahre nach der Holzstoß-Havarie des Blech-Bläsers verhandelt wurde.
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