Berufsberatung hilft Schulabgängern, den richtigen Weg in die Ausbildung zu suchen und zeigt ...
"Keine Idee, was ich machen will"

Der Schulabschluss ist geschafft. Und dann? "Keine Ahnung." Das hört Susanne Sohns, Beraterin bei der Agentur für Arbeit, häufig. Wie etwa von der 17-jährigen Hannah (Name geändert), die in die Beratung kommt.

Hannah hat das Gefühl, sich jetzt nach dem Schulabschluss schnell für etwas entscheiden zu müssen. Die Abi-Prüfungen hat sie schon geschrieben. Vor lauter Lernen und auch aus Angst vor der Tragweite ihrer Entscheidung hat sie das Thema Berufsorientierung ewig vor sich hergeschoben. Jetzt weiß sie nicht, wie sie das Thema angehen soll.

"Wenn jemand noch gar keine Vorstellung hat, erkunden wir erst einmal Interessen, Fähigkeiten und auch Wünsche," sagt die Beraterin. "Wo sieht sie selber ihre Stärken? Was macht Hannah in ihrer Freizeit, welche Themen interessieren sie besonders?" Schließlich fängt die Berufsorientierung nicht mit Informationen über Berufe an, sondern bei der eigenen Person.

Was kannst du gut? Was willst du für dich? Solche Fragen sind oft gar nicht so einfach zu beantworten. Die Experten und Schüler tasten sich langsam vor.

Für Hannahs Hobby, Fußball spielen, bleibt wenig Zeit. Ab und zu trainiert sie noch eine Mädchenmannschaft. "Dann werfen wir einen Blick auf ihre Zeugnisse. Chemie ist ihr starkes Fach. Sie hat aber noch keine Idee, was sie daraus machen könnte."

Schlagwörter visualisieren

"Im nächsten Schritt reden wir über ihre Wünsche", erklärt die Berufsberaterin den nächsten Schritt in Sachen Ausbildungssuche. Auf die Frage, wie Hannah sich ihr späteres Arbeitsumfeld vorstellt, antwortet sie, dass sie ungern ständig mit neuen Menschen zu tun haben, auf keinen Fall etwas verkaufen möchte.

Kollegen ja, aber eigentlich arbeitet sie am liebsten vor sich hin. "Alle Schlagwörter, die bis dahin gefallen sind, visualisieren wir auf einem Blatt Papier", erklärt Susanne Sohns.

Im nächsten Schritt reden die beiden über Tätigkeiten oder Berufe, die Hannah zu diesen Stichpunkten einfallen. Sie trainiert zwar Kinder, kann sich aber einen Beruf, der mit Kindern zu tun hat, nicht vorstellen. Im Laufe des Gesprächs meint Hannah, dass eine Tätigkeit im Labor sehr spannend sein könnte. Das ist immerhin ein Anfang.

Es gibt diverse Schwerpunkte in diesem Bereich - angefangen von Ausbildungen wie Chemielaborantin oder Chemisch-technische Assistentin über Studiengänge wie Chemie, Lebensmittelchemie, Biochemie, Pharmazie bis zu Umwelttechnik.

Um die breite Palette an Berufen kennenzulernen, eignet sich beispielsweise das Portal BERUFENET. Hier lassen sich sowohl Ausbildungsberufe als auch Berufe, die ein Studium voraussetzen, recherchieren. Im Portal studienwahl.de kann Hannah zudem recherchieren, wo welche Studiengänge angeboten werden. Es ist ihre Aufgabe, sich nach dem Beratungsgespräch erst einmal einzulesen und im Internet weiter zu recherchieren.

Wertvolle Hinweise durch Tests

Beim Thema Studium ist die sehr unsicher. Die Berufsberateroin schlägt ihr den daher SSP vor, einen Test zur "Selbsteinschätzung studienrelevanter Personmerkmale", der die Studierfähigkeit untersucht. Wichtig ist, dass Hannah das Ergebnis anschließend mit einem Psychologen durchsprechen kann. Solche Tests können zwar die eigene Entscheidung Berufsausbildung oder doch Studium nicht abnehmen, geben aber wertvolle Hinweise. Die Idee findet Hannah gut und vereinbart einen Termin beim Berufspsychologischen Service.

Gibt's jetzt ein Praktikum?

Auch mit der Berufsberaterin wird es einen Folgetermin geben. "Da können wir sehen, was ihr an welchen Berufen gefallen hat und was nicht. Sollte sich der Berufswunsch 'Chemie und Labor' konkretisieren, können wir zum Beispiel ein Praktikum in Angriff nehmen."

In zwei Monaten ist Hannah mit der Schule fertig. Was, wenn sie bis dahin keine konkreten Pläne hat oder alle Bewerbungstermine verstrichen sind?

"Um ihr Zeit zu verschaffen, reden wir über ein Jahr zur Überbrückung, etwa ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder ein Auslandsjahr." Am Ende wirkt Hannah erleichtert. Ein Anfang ist gemacht. (abi/Bundesagentur für Arbeit)
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