Berufungsgericht: Ex-Spitzensportler habe Tod eines Menschen in Kauf genommen - Neues Strafmaß ...
Oscar Pistorius droht höhere Strafe

Oscar Pistorius (links) und Verteidiger Barry Roux - im Bild ein Gespräch während der ersten Verhandlung - mussten vor dem Berufungsgericht eine Niederlage einstecken. Bild: dpa
Der Ex-Spitzensportler Oscar Pistorius schoss mit großem Kaliber vier Mal durch eine Toilettentür. Jetzt befand das Berufungsgericht ihn des Mordes (englisch: "murder") für schuldig. Nach deutschem Recht entspricht der Straftatbestand am ehesten dem Totschlag. Weihnachten darf der frühere Top-Sportler Oscar Pistorius noch im Kreise seiner Familie verbringen. Doch nächstes Jahr wartet statt des Hausarrestes in der komfortablen Villa seines Onkels in Pretoria wieder das Gefängnis.

Pistorius habe töten wollen

Für die fünf Richter in Bloemfontein ist der Fall klar: Der geübte Schütze Pistorius, der am Donnerstag nicht im Gericht war, nahm den Tod eines Menschen billigend in Kauf, als er am Valentinstag 2013 durch die geschlossene Tür einer Toilette feuerte. Und damit seine Freundin Reeva Steenkamp tötete.

"Er wird ein internationaler Star. Er trifft eine junge Frau, die wunderschön und ein Model ist. Die Romanze erblüht, bis er, ironischerweise am Valentinstag, ihr Leben nimmt", fasste Richter Eric Leach zusammen.

Der Krimi um den wohl berühmtesten Behinderten-Sportler löste weltweit großes Aufsehen aus. In Südafrika empfanden viele Menschen das Urteil der ersten Instanz zu fünf Jahren Haft wegen fahrlässiger Tötung als zu milde. In der schwarzen Bevölkerungsmehrheit sahen viele darin den Beweis, dass vermögende Weiße vor Gericht immer noch besser wegkommen als Schwarze. Die Frauenliga der Regierungspartei ANC kritisierte das milde Urteils der ersten Instanz scharf.

Pistorius wurde schon im Oktober - nach nur einem Jahr Haft - in den Hausarrest entlassen. Die Richterin der ersten Instanz, Thokozile Maspia, hatte ihm Glauben geschenkt, wonach er hinter der Tür einen Einbrecher wähnte. Er habe keine Tötungsabsicht gehabt, sondern in Notwehr geschossen, beteuerte Pistorius.

Erstes Urteil mit "Irrtümern"

Das oberste Berufungsgericht jedoch spricht von "grundsätzlichen Irrtümern" im ersten Urteil. "Er muss die mögliche Todesfolge seines Handelns vorausgesehen haben", sagte Leach. Wichtige Beweise seien nicht ausreichend berücksichtigt worden, darunter auch ein ballistisches Gutachten, wonach keine Person in der Toilette die Schüsse hätte überleben können. Damit sei unerheblich, ob Pistorius gezielt seine Freundin erschießen wollte, oder einen Einbrecher. "Eine Person, die auf einem belebten Platz eine Bombe zündet, wird die Identität ihrer Opfer wahrscheinlich nicht kennen, aber trotzdem die Absicht haben, zu töten", so Leach. Das Urteil vom Oktober ist damit hinfällig. Das Gericht der ersten Instanz wird 2016 das neue Strafmaß festlegen.
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