Berufungsprozess: Lebenslänglich statt 36 Jahre
Gericht erhöht Strafe für "Sewol"-Kapitän

Die Vorwürfe bleiben: Angehörige der Opfer protestierten auch gegen das Verhalten der Regierung nach dem Fährunglück. Bild: dpa
Ein Jahr nach der "Sewol"-Schiffskatastrophe mit mehr als 300 Toten hat ein Berufungsgericht in Südkorea den Kapitän wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Landgericht in Kwangju ging damit am Dienstag über das Urteil der ersten Instanz aus dem November hinaus. Damals wurde gegen den 70-jährigen Lee Jun Seok wegen grober Fahrlässigkeit noch eine Haftstrafe von 36 Jahren verhängt. Besonders die Familien der Opfer kritisierten das Urteil damals als zu milde.

Zum Abschluss des Prozesses warf der Richter dem Kapitän vor, den Tod der Passagiere in Kauf genommen zu haben. Lee habe die Passagiere angewiesen, auf dem Schiff zu bleiben, während er sich selbst gerettet habe, wurde er von der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap zitiert. "Der Kapitän beendete das Leben von Schülern vorzeitig und hinterließ bei den Eltern lebenslange seelische Wunden." Die Staatsanwaltschaft hatte - ebenso wie viele Familien der Opfer - die Todesstrafe gefordert.

Offiziell kamen 295 Menschen beim Untergang vor der Südwestküste des Landes im April 2014 ums Leben. Die meisten Opfer waren Schüler. An Bord befanden sich 476 Menschen, als die überladene Auto- und Personenfähre kenterte.

Mildere Strafen für Crew

Lee hatte sich während des Hauptverfahrens dafür entschuldigt, das Schiff vorzeitig verlassen zu haben. Er habe jedoch nicht gewusst, dass sein Verhalten zu so vielen Toten führen würde. 14 Besatzungsmitglieder waren zu Haftstrafen zwischen fünf und 30 Jahren verurteilt worden. Das Berufungsgericht verringerte diese nun auf 18 Monate bis 12 Jahre.

Die Regierung, die wegen des Unglücks stark unter Druck gekommen war, beschloss vor kurzem die Bergung des Wracks. Die Kosten für das Vorhaben werden auf mehr als 100 Millionen Euro geschätzt. Die betroffenen Familien hatten den Behörden vorgeworfen, nicht genug für die Rettung der Insassen getan zu haben.
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