Beschaffer der NSU-Mordwaffe sagt vor Gericht aus
Er brauchte das Geld

Der mutmaßliche Beschaffer der wichtigsten Mordwaffe des NSU, einer Pistole vom Typ "Ceska", ist von einem mutmaßlichen Komplizen bezichtigt worden. Das Oberlandesgericht München verlas im NSU-Prozess am Donnerstag ein Protokoll der Vernehmung des Mannes durch einen Schweizer Staatsanwalt. Danach gab er zu, einem Freund 1996 zwei Waffenerwerbsscheine für mehrere hundert Franken verkauft zu haben.

Er sei an Krebs erkrankt und habe dringend Geld gebraucht. Was mit den Papieren passiert sei, habe er erst zehn Jahre später erfahren, als Polizisten vor seiner Tür standen. Sein Freund soll die Scheine für den Kauf der "Ceska" und weiterer Waffen verwendet haben. Deutsche Ermittler hatten zu dieser Zeit bereits herausgefunden, dass mit der Pistole neun türkisch- und griechischstämmige Gewerbetreibende ermordet wurden. Sie hegten aber noch keinen Verdacht gegen rechtsextreme Terroristen. Sein Bekannter habe "einen Trottel" gebraucht, und der sei er gewesen, sagte der Zeuge. Der Freund habe ihm später erzählt, er habe die Pistole in Deutschland "für ein Bündel Bargeld" verkauft.

Der mutmaßliche Waffenkäufer selbst war für kommende Woche als Zeuge nach München geladen. Trotz Zusicherung freien Geleits lehnte er ein Erscheinen jedoch ab. In den 1990er Jahren lebte er in Apolda. Seine damalige Lebenspartnerin sagte am Donnerstag, er habe auf den ersten Blick sehr vertrauenerweckend gewirkt. Sein Schweizer Akzent sei im Osten "groß angekommen". Er habe Autos aus der Schweiz in Thüringen verkauft. Sie selbst habe eine Werbeagentur aufgebaut. Später sei er mit ihrer Angestellten in die Schweiz durchgebrannt. Über Kontakte zu Rechtsextremisten wisse sie nichts.
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