Bestatter: Särge nicht begraben

Noch ist für Beisetzungen in bayerischen Gräbern ein Sarg erforderlich. Archivbild: uax

Muslime lassen sich normalerweise in Tüchern eingewickelt beerdigen, nicht in Särgen. Nur: In Bayern ist das bisher nicht erlaubt. Das könnte sich nun ändern. Skeptisch ist nur der Bestatterverband.

Aykan Inan von der islamischen Religionsgemeinschaft DITIP erklärte, immer mehr Muslime der zweiten und dritten Generation in Bayern wünschten sich eine Bestattung verstorbener Angehöriger in ihrer neuen Heimat. Dies scheitere aber oft an der Sargpflicht. Weitere Erleichterungen wären eine Abkehr von der 48-Stunden-Frist zwischen Tod und Bestattung, da im Islam eine möglichst rasche Beerdigung Pflicht sei. Zudem sollte auf den Friedhöfen die Möglichkeit zur rituellen Totenwaschung geschaffen werden. Zustimmung zu den Änderungswünschen kam von den christlichen Kirchen. Auch Joino Pollack von der Israelitischen Kultusgemeinde schloss sich dem an, die Vertreter der Städte und Gemeinden hatten ebenfalls keine grundlegende Einwände.

Für die Beibehaltung der Sargpflicht sprach sich aber der Vorsitzende des Bestatterverbandes, Ralf Michal, aus. Die Verwendung von Särgen sei aus hygienischer und gesundheitlicher Sicht erforderlich. Särge böten den für den Verwesungsprozess nötigen Hohlraum. Bei einer Feuerbestattungen würden Leichname ohne Holz nicht vollständig verbrennen. Zudem sei es Bestattern nicht zuzumuten, nur in Tücher gewickelte Tote ins Grab zu legen. Nach Einschätzung des Landesamtes für Gesundheit ist ein Sarg dagegen nur für den sicheren Transport von Toten erforderlich. Walter Fessel aus dem Sozialministerium in Baden-Württemberg, wo das Bestattungsrecht bereits geändert worden ist, zog eine positive Bilanz der dort gemachten Erfahrungen.

Der CSU-Innenexperte Florian Herrmann erklärte nach der Anhörung, er könne sich eine Aufhebung der Sargpflicht gut vorstellen. Der aus der Türkei stammende SPD-Abgeordnete Arif Tasdelen stellte sich hinter die Wünsche der in Bayern lebenden Muslime. Ebenfalls Zustimmung signalisierten Jürgen Mistol (Grüne) und Joachim Hanisch (Freie Wähler).
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