Besuch bei britischem Wetter

Die britische Königin Elizabeth II. und ihr Mann Prinz Philip (hinten) nach ihrer Ankunft auf dem Berliner Flughafen Tegel. Vorbei am Ehrenspalier der Bundeswehr, begann für die Monarchin das Händeschütteln. Bilder: dpa

Sie trägt einen königsblauen Mantel, eine schwarze Handtasche und eine Perlenkette. Der Hut leuchtet türkis. Die Queen ist da. Drei Tage wird der Staatsbesuch dauern. Willkommen, Eure Majestät!

Kurz vor 19 Uhr am Dienstagabend ist die Sondermaschine in Berlin-Tegel gelandet. Soldaten im Ehrenspalier und donnernde Salutschüsse begrüßen die britische Königin wenige Minuten später auf dem roten Teppich, der die Regenpfützen verdeckt. Sie schüttelt Hände mit dem Empfangskomitee, dann steigt sie in ihren dunkelroten Bentley. Eskortiert von 15 Motorrädern geht es Richtung Brandenburger Tor. Elizabeth II. wohnt wie 2004 im Hotel Adlon. Am Mittwoch hat sie ein volles Programm.

Fürs Geschichtsbuch

Der fünfte Staatsbesuch der Königin wird ein Kapitel für die Geschichtsbücher. Vor 50 Jahren war sie zum ersten Mal in Deutschland, in der Nachkriegszeit ein Ritterschlag für die junge BRD. Jetzt ist die Queen 89 ahre alt, ihr Mann Prinz Philip 94. Auch der britische Botschafter Simon McDonald schwört vorab die Reporter ein: "Dieser Besuch ist etwas Besonderes." Er gibt auch Auskunft zu brennenden Fragen: Was die Queen in der Mittagspause macht ("Sie isst."), was sie dem Bundespräsidenten schenkt (ein historisches Buch von Hermann von Pückler-Muskau). Und warum geht sie nicht zu Fuß durch das Brandenburger Tor, sondern nimmt das Auto? "Sie ist 89."

McDonalds "persönliches Highlight" wird die Gartenparty in der britischen Residenz sein. Der Geburtstag der Königin wird dort am Donnerstag nachgefeiert. Der Butler hat bereits Tage vorher das Tafelsilber geputzt, in das die Initialen E. R. für Elizabeth Regina graviert sind. Natürlich wird "Pimm's" serviert, der klassische Drink der Engländer. Elizabeth II. will sich an den drei Tagen in Deutschland volksnah zeigen. Fans können ihr am Mittwochvormittag vom Ufer der Spree zuwinken, wenn sie 17 Minuten lang mit dem Holzboot "Ajax" (siehe Infokasten) unterwegs ist. Auch vor der "Queen's Lecture" an der Technischen Universität und am Donnerstag auf dem Frankfurter Römer gibt es Chancen auf Blickkontakt. Freitag macht die Königin in Berlin einen kleinen Bummel auf dem Pariser Platz.

Es geht nicht nur um den Hut und die Handtasche der Monarchin, sondern auch um Politik. "Wir feiern unser bilaterales Verhältnis insgesamt", sagt Botschafter McDonald. Wie beim Staatsbesuch in Irland wird beim Bankett im Schloss Bellevue der britische Premier David Cameron dabei sein. Was Elizabeth II. über Europa oder das in Großbritannien geplante EU-Referendum denkt, wird Bundeskanzlerin Angela Merkel nach dem Treffen im Kanzleramt wohl kaum verraten.

Abflug am Freitag

Ein Besuch in der Gedenkstätte Bergen-Belsen in Niedersachsen sei der persönliche Wunsch der Queen gewesen, sagt McDonald. "Bergen-Belsen spielt eine besondere Rolle in unserer Geschichte." 70 Jahre ist es her, dass britische Soldaten das Konzentrationslager befreiten. Nach diesem historischen Besuch - es ist der erste dieser Art - steht am Freitag in Celle der Abflug an. 600 Plätze zum Winken waren nach Angaben der niedersächsischen Staatskanzlei nach 15 Minuten vergeben.
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