Betriebspraktikum hilft Schülern, sich einen ersten Eindruck von der Arbeitswelt zu verschaffen ...
Orientierung für Zeit nach der Schule

Friseurin oder Krankenschwester, Auto-Mechaniker oder Polizeibeamter? Hilfestellung bei der Suche nach dem passenden Beruf und erste Orientierung für das Arbeitsleben soll Schülern häufig ein Berufspraktikum geben. Damit es diese Aufgaben tatsächlich erfüllen kann, müssen sowohl Jugendliche als auch Arbeitgeber allerdings einiges beachten.

"Am Anfang steht eine grundsätzliche Entscheidung: Will ich im Handwerk oder im Büro, draußen oder drinnen arbeiten?", erklärt Beratungslehrerin Waltraud Segebrecht. Die meisten Schüler entdeckten ihre beruflichen Interessen von sich aus. "Viele wissen, was sie wollen, und kümmern sich selbst um ihr Praktikum", sagt Segebrecht.

Einer von diesen Schülern ist Paul, der an der Realschule die zehnte Klasse besucht: Er wusste schon lange, dass sein Ziel "die elektronische Richtung" ist. Im Internet suchte der 15-Jährige nach Betrieben, deren Arbeit ihn interessierte.

Nach einem Anruf bei einem Elektronik-Unternehmen und einem kurzen Vorstellungsgespräch hatte er das Praktikum in der Tasche. Drei Wochen lang assistierte er bei der Verdrahtung und Montage von Schaltschränken. "Das hat mir gut gefallen", resümiert Paul.

Nur ein erster Test

Aber auch Jugendliche, die ihre beruflichen Interessen noch nicht so gut abschätzen können, sollten nicht nervös werden. "Das Praktikum ist ja nur ein erstes Hineinschnuppern. Es ist auch ein Erfolg, wenn ich merke, dass ich das nicht machen will", sagt Berufsberater Klaus Tenschert. Es gehe nicht zwingend darum, einen bestimmten Beruf kennen zu lernen, sondern vor allem um eine allgemeine Erkundung der Arbeitswelt.

In der Regel dauert das Praktikum zwei Wochen. Es findet in der neunten oder zehnten Klasse statt und wird im Unterricht vor- und nachbereitet, so Klaus Illerhaus von der Kultusministerkonferenz (KMK). Große Unterschiede zwischen den Bundesländern oder den Schulformen gibt es laut der KMK und dem Bundesverband Deutscher Privatschulen (VDP) dabei nicht.

Schüler sollten in jedem Fall einige Zeit vor dem Praktikum damit beginnen, sich über ihre Vorlieben klar zu werden, rät Illerhaus. "Die meisten sind schon über Kontakte ihrer Eltern, Freunde oder Verwandte gut versorgt. Trotzdem gibt es ab und zu Bauchschmerzen bei der Suche", weiß Waltraud Segebrecht.

Hilfe und Information bieten die Arbeitsämter und ihre Berufsinformationszentren (BIZ). Dort können Schüler etwa ein Gespräch mit einem Berufsberater vereinbaren. "Da versuchen wir gemeinsam, die Interessenlage zu erkunden", sagt Tenschert. Im BIZ gebe es zudem Literatur und Filme über Berufe sowie Computertests, die Schülern bei der Orientierung helfen könnten.

"Aber auch die Lehrer helfen weiter", weiß Paul. An ihrer Schule hab es noch nie einen Schüler gegeben, der keinen Platz gefunden hat, beruhigt Waltraud Segebrecht.

Berit Heintz vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) empfiehlt Schülern, sich einige Monate vorher bei Arbeitgebern vorzustellen. Sie betont, wie wichtig die Berufsorientierung durch das Praktikum sei: Mitunter würden Ausbildungen abgebrochen, weil die gewählte Lehre die falsche ist - das sind dann unangenehme Erfahrungen für Betroffene, die einige Schnuppertage in der entsprechenden Branche vielleicht hätten verhindern können.

Erster Schritt zur Ausbildungsstelle

Im Idealfall kann das Berufspraktikum den Jugendlichen dabei helfen, sich einen Ausbildungsplatz zu sichern. Gerade für kleine und mittelgroße Betriebe in Handel und Handwerk sind die Praktika nach Ansicht von Experten eine gute Gelegenheit, künftige Auszubildende kennen zu lernen. Die Betriebspraktika seien "durchaus die Grundlage für spätere Ausbildungsverhältnisse". In einem zwei- oder dreiwöchigen Praktikum könne sich ein Arbeitgeber ein besseres Bild von einem Bewerber machen als in einem Vorstellungsgespräch.

Für das Gelingen des Praktikums ist es nach Berit Heintz' Worten wichtig, dass die Schüler einen Ansprechpartner im Betrieb bekommen, der ihnen Aufgaben überträgt und sie bei deren Lösung unterstützt. "Der Praktikant soll nicht ziellos im Raum stehen", sagt Heintz.

Arbeitgebern rät sie, rechtzeitig zu überlegen, welche Aufgaben sie ihren Praktikanten übertragen wollen. Sie empfiehlt, die Schüler in verschiedene Arbeitsbereiche hineinschnuppern zu lassen. Nur auf diese Weise sei eine wirkliche Orientierung gewährleistet. (tmn)
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