Beweisaufnahme verzögert sich - Anwalt: Zschäpe "de facto" ohne Verteidigung
NSU-Prozess stockt erneut

Im Münchener NSU-Prozess ist die Beweisaufnahme erneut ins Stocken geraten. Das Gericht lehnte am Dienstag Anträge der beiden Angeklagten Beate Zschäpe und Ralf Wohlleben auf Aussetzung des Verfahrens ab. Die Wohlleben-Verteidigung warf dem Oberlandesgericht daraufhin vor, wichtige Tatsachen nicht zur Kenntnis zu nehmen. Die geplante Vernehmung mehrerer Kriminalermittler verzögerte sich. Am Mittag unterbrach das Gericht die Verhandlung und vertagte sich auf den heutigen Mittwoch.

Die Verteidiger Wohllebens machten geltend, dass die Hauptangeklagte Zschäpe seit dem Streit um ihre drei Anwälte Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm im vergangenen Juli "de facto" nicht mehr verteidigt werde. Das betreffe auch ihren Mandanten Wohlleben, weil die Anklage ihm vorwerfe, dass er zu den Taten Zschäpes "beigetragen haben soll".

Die Bundesanwaltschaft hält Wohlleben für den Beschaffer der Mordwaffe des "Nationalsozialistischen Untergrunds" vom Typ "Ceska". Zschäpe muss sich als mutmaßliche Mittäterin der Serie von zehn Morden und zwei Sprengstoffanschlägen verantworten. Wohllebens Anwälte hatten außerdem die Haftentlassung ihres Mandanten verlangt. Auch das lehnte das Gericht ab.

Am heutigen Mittwoch ist erneut der früheren Anführer des "Thüringer Heimatschutzes" als Zeuge geladen. Dieser Gruppierung sollen auch die mutmaßlichen NSU-Terroristen angehört haben, bevor sie 1998 in den Untergrund abtauchten und die Serie von zehn Morden und zwei Sprengstoffanschlägen verübt haben sollen.

Hauptangeklagte in dem Prozess ist Beate Zschäpe. Sie ist wegen Mittäterschaft an den NSU-Verbrechen angeklagt. Wegen Beihilfe zum Mord muss sich der mutmaßliche Waffenbeschaffer Ralf Wohlleben verantworten.

An den letzten Verhandlungstagen war der Prozess mehrfach wegen Streits um Verfahrensfragen ins Stocken geraten. Mehrere Zeugen, die schon zu ihrer Vernehmung angereist waren, konnten nicht gehört werden. Am Mittwoch ist der 237. Verhandlungstag im NSU-Prozess.
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