Beweisaufnahme wegen sexuellen Missbrauchs geht weiter
Spelunke ein beliebter Treffpunkt

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Im Partykeller des 55-Jährigen, der unter dem Verdacht des sexuellen Missbrauchs in Untersuchungshaft sitzt (wir berichteten mehrfach), fehlte es den Besuchern offensichtlich an nicht viel. Ein junger Mann, der vor ein paar Jahren selber wenige Male dort zu Besuch war und nach außen hin anonym bleiben will, schildert den Raum in einem Gespräch mit der NT-Redaktion als beliebten Treffpunkt für Jugendliche.

Neben Fernseher, Playstation, Stereoanlage, Spielautomat und Kühlschrank hätten in dem mit Holz verkleideten Zimmer eine schwarze Ledercouch und ein Tisch gestanden. Zur Beleuchtung sei lediglich eine Glühbirne von der Decke gehängt.

Doch sehr versifft

Er selber sei zwei- bis dreimal dort gewesen. Nachdem die jugendliche Clique die Lokale in der Landgrafenstadt aufgrund der Uhrzeit verlassen musste, sei sie abends noch in den Partykeller des 55-Jährigen gegangen. "Das Bier hat einen Euro gekostet, und wir konnten Ballerspiele spielen, was wir daheim nicht durften", beschreibt der junge Twen die Gründe für die Besuche. Allerdings sei der Raum auch schon sehr versifft gewesen: "Das war eine ziemliche Spelunke". Der Boden habe geklebt, und es seien überall Brandflecken gewesen.

Genau diese schmutzigen Zustände hätten einer Begleiterin überhaupt nicht gefallen, weshalb sie ankündigt habe, dort nicht mehr hinzugehen. Damit war auch für den damals Jugendlichen das Thema erledigt.

Generell sei der Partykeller eigentlich immer geöffnet gewesen: "Man hat angerufen oder ist einfach vorbeigekommen und hat geklingelt, weil er (der 55-Jährige; d. Red.) ja meistens sowieso daheim war". Der junge Mann - damals Jugendlicher - beschreibt den Gastgeber, der sich jetzt massiven Vorwürfen ausgesetzt sieht, als nicht auffällig: "Ich hätte ihn niemals so eingeschätzt". Allerdings habe es manche Partykeller-Besucher gegeben, die über anzügliche Fotos auf dem Computer des Hausherren berichtet hätten: "Damals haben wir noch darüber gelacht, aber jetzt kommt einem das alles in den Sinn".

1989 schon einmal angeklagt

Zwölf Fälle des sexuellen Missbrauchs werden dem 55-Jährigen im Haftbefehl zur Last gelegt. Doch es könnte eine Vielzahl weiterer Übergriffe gegeben haben. Die entsprechenden Ermittlungen der Kriminalpolizei werden sich deshalb noch über mehrere Monate hinziehen. Es müssen zahlreiche Zeugen befragt und umfangreiches Beweismaterial gesichtet werden. Fest steht indes, dass der heute 55-Jährige bereits im Jahr 1989 Ärger mit dem Gesetz hatte. Das hatte er in polizeilichen Vernehmungen zwischenzeitlich selber zur Sprache gebracht. "Im Wald an Kindern vergriffen?" titelte unsere Zeitung am 26. August 1989. In dem Bericht geht es um den damals 30-Jährigen, der verdächtigt wurde, sich im Mai 1989 in einem Waldstück an drei Jugendlichen im Alter von 14 und 15 Jahren sexuell vergangen zu haben.

Bei der Verhandlung am 7. November 1989 wurde der Angeklagte zu einer achtmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung und 9000 Mark Geldauflage zugunsten einer gemeinnützigen Einrichtung verurteilt. Das Jugendschöffengericht in Schwandorf hatte damals unter dem Vorsitz von Richter Gerhard Maier nichtöffentlich getagt.
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