Bewertung statt Gesamtnoten

Pflegeheime sind für viele Bundesbürger die letzte Lebensstation. Die vielen Berichte über Missstände verunsichern viele Familien. Gesundheitsministerin Melanie Huml will eine ehrlichere und genauere Bewertung der Heime.

Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) will Pflegeheime künftig mit detaillierten Zeugnissen bewerten lassen. Damit sollen sich die Familien ein zuverlässiges Bild machen können, bevor Vater oder Mutter in ein Heim einziehen. "Es darf nicht so sein, dass Angehörige erst die Zeitungen der letzten Jahre durchforsten müssen, um sich einen Eindruck von der Qualität eines Heimes zu verschaffen", sagte Huml. "Die Transparenz fehlt."

Nutzlosigkeit

Bisher gibt es im Rahmen des Pflege-TÜV lediglich Gesamtnoten für die Heime. Die Bundesregierung schafft diese im kommenden Jahr wegen Nutzlosigkeit ab. Denn die ganz große Mehrheit der Heime bekommt die Note eins. Mängel in bestimmten Bereichen sind aus der Gesamtnote nicht ablesbar, wie Kritiker seit Jahren monieren.

Humls Vorschlag: "Wir sollten überlegen, ob wir für die Bewertung der Heime genauere Vorgaben und die Einzelpunkte sichtbar machen." Die CSU-Politikerin nennt Beispiele: "Wie ist der pflegerisch-medizinische Standard, wie die Flüssigkeitsversorgung und Ernährung? Wie sieht es mit der individuellen Betreuung aus, wie ist der Umgang mit freiheitsentziehenden Maßnahmen?"

Huml plädierte dafür, erhebliche Pflegemängel zum K.O.-Kriterium zu machen, das nicht bei der Berechnung der Gesamtnote durch positive Bewertung anderer Faktoren ausgeglichen werden könne - wie es bisher möglich sei. "Wir haben schon im vergangenen Jahr eine Initiative im Bundesrat gestartet, dass der Pflege-TÜV grundlegend überarbeitet werden muss", sagte Huml. "Die bisherige Gesamtnote für die Heime gibt kein realistisches Bild." Die Angehörigen benötigten Kriterien, nach denen sie entscheiden können.
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