BGH verweist in Urteil auf Grenzwerte - Maßgeblich ursprüngliche Schallschutz-Regeln
Mit lautem Parkett abfinden

Hohe Schuhe auf einem Parkettboden sind eine nicht zu unterschätzende Lärmquelle. Bild: dpa
Kein Anspruch auf leisen Teppich: Beim Schallschutz in Wohnungen gelten nach einem Austausch des Bodens weiter die Grenzwerte der Bauzeit des Hauses. Der Bundesgerichtshof (BGH) erlaubte Wohnungseigentümer am Freitag, einen Teppich durch Parkett zu ersetzen, auch wenn das Holz mehr Lärm macht. Mit dem Urteil der höchsten Zivilrichter können auch Mieter weiterhin nicht hoffen, dass sie die Miete mindern dürfen, wenn sie sich am Parkett ihrer Nachbarn stören.

Ein Rentner-Paar aus Travemünde an der Ostsee verlor vor dem BGH in Karlsruhe gegen die über ihm wohnenden neuen Eigentümer. Diese hatten den alten Teppich in einer Wohnanlage aus den 70er Jahren herausgerissen und mit Parkett ersetzt. Deshalb wurde es lauter in der unteren Wohnung.

Heute schärfere Regeln

Aus Sicht des Landgerichts als untere Instanz war die Belästigung aber noch unter der einst geltenden Trittschallgrenze von 63 Dezibel und damit zumutbar - auch wenn die Schallschutz-Bestimmungen heute sehr viel schärfer sind. Sie liegen inzwischen um 10 Dezibel niedriger. Das sah jetzt auch der BGH so, der damit seine bisherige Rechtsprechung zum Thema fortsetzte (Aktenzeichen: V ZR 73/14). Voraussetzung ist, dass es mit dem neuen Boden nicht lauter wird, als zur Zeit der Gebäude-Errichtung erlaubt war.

Die Wohnungen der Kläger befinden sich im Maritim-Hochhaus von Travemünde - einer 30-stöckigen Anlage mit Hotel und 320 Appartements. Bei der mündlichen Verhandlung vor dem BGH hatte ihr Anwalt darauf verwiesen, dass beim Bau in den 70er Jahren mit dem hohen Standard mit Teppich geworben wurde. Der BGH argumentierte, allein aus dem "besonderen Gepräge" einer Wohnanlage - also der charakteristischen Eigenart - leite sich kein Anspruch auf einen leiseren Boden ab.
Weitere Beiträge zu den Themen: Weltgeschehen (20753)Februar 2015 (7876)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.