Biber als Billigarbeiter

Wie schön muss Bayern gewesen sein, bevor der Biber ausgerottet wurde: Umweltschützer sehen den Nager als Garanten für Artenvielfalt.

Christian Magerl ist hellauf begeistert, was seine Schützlinge in den vergangenen drei Jahrzehnten geschaffen haben. Der grüne Vorsitzende des Umweltausschusses im Landtag und Freisinger Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz (BN) gehörte zu den ersten, die in Bayern wieder Biber angesiedelt haben. In den Isar-Auen östlich der Domstadt kann man das Werk der Nager besichtigen. "Das war hier alles mal Pappel-Monokultur", erinnert sich Magerl. Jetzt ist es ein Biotop, dessen Ursprünglichkeit selbst Umweltministerin Ulrike Scharf in ihren Bann zieht. "Man kann hier sehen, was Gutes geschehen ist dank des Bibers", schwärmt sie, schaut bunten Libellen und Schmetterlingen nach und hört Wasserrallen im Schilf hupen.

Der Biber hat einen Lebensraum wiederentstehen lassen, in dem sich die Artenvielfalt im, auf und über dem Wasser mehr als verdoppelt hat. Zahlreiche Rote-Liste-Arten finden hier Zuflucht. Auch Horst Schwemmer, der hauptamtliche Biber-Manager für Nordbayern, ist begeistert. Die Voraussetzungen für die konfliktfreie Ansiedlung des Bibers sind an diesem Stück Isar ideal. Mehrere Quadratkilometer Naturschutzgebiet, weit und breit keine Äcker, keine Nutzwald, keine Fischteiche.

Schwemmer ist in der Oberpfalz als "Prellbock und Erklärer" in Sachen Biber unterwegs. Für die vielen Teichwirte hat er volles Verständnis, wenn die gegen den Nager wettern. Die Schäden eines vom Biber abgelassenen Fischteichs gehen in die Tausende. Nicht umsonst steht die Oberpfalz bei den Entschädigungsleistungen bayernweit an der Spitze. Auch wenn es ihn nicht freut, in vielen Fällen muss Schwemmer Biber "entnehmen" - in den meisten Fällen ein Todesurteil. Oft gelingt es ihm auch, den Konflikt Biber-Mensch einvernehmlich zu lösen. Die Arbeit erleichtern würde, wenn Äcker und Wiesen nicht bis an Flüsse und Bäche bewirtschaftet würden.

Biber spart Millionen

Auch BN-Landeschef Hubert Weiger kennt die Probleme. Er macht eine Gegenrechnung auf. Abermillionen könnte sich der Freistaat sparen, würde er in seine Hochwasserschutzkonzepte die Leistungen des Bibers bei der Wasserrückhaltung mit einplanen. Und weiteres Geld, wenn man ihm mehr Freiraum zur Schaffung neuer Biotope geben würde. So manch teures Artenschutz- oder Wiederansiedlungsprojekt wäre überflüssig. "Der Biber ist ein kostenloser Angestellter der Wasserwirtschaft und des Artenschutzes", erklärt Weiger. Deshalb würde sich die Aufstockung des Biber-Entschädigungsfonds schnell rechnen.

Ministerin Scharf windet sich um konkrete Zusagen. Sie lobt die "unglaubliche Gestaltungskraft" des Bibers, und bei der Wasserrückhaltung sei seine Arbeit ein "wirklicher Segen". Aber nur in Räumen, wo das auch passe, schränkt sie mit Rücksicht auf die starke Anti-Biber-Fraktion innerhalb der CSU, aber auch bei den Freien Wählern ein.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.