Bilder einer Flucht

Das von den Ermittlungsbehörden zur Verfügung gestellte Video aus der Kamera im Streifenwagen zeigt Walter Scott, wie er flüchtet. Bild: dpa

Es sieht aus wie Routine, als ein US-Polizist einen Autofahrer kontrolliert. Doch dann flieht der Fahrer und wird erschossen. Ein von der Polizei nun veröffentlichtes Video zeigt die Minuten vor seinem Tod. Neue Details liefern ein widersprüchliches Bild.

Der von einem weißen US-Polizisten getötete Afroamerikaner Walter Scott war vor den tödlichen Schüssen in seinen Rücken während einer Verkehrskontrolle geflüchtet. Dies zeigt ein von der Polizei im Bundesstaat South Carolina veröffentlichtes Video.

Auf den Bildern der im Polizeiwagen angebrachten Kamera ist zu sehen, wie Polizist S. den 50-jährigen Scott wegen eines defekten Bremslichts anhält. Die Kontrolle scheint ruhig zu verlaufen, Anzeichen einer drohenden Auseinandersetzung sind nicht zu erkennen. "Ich bin gleich wieder zurück", sagt S., als er mit Scotts Papieren zu seinem Streifenwagen geht. Scott will dann sein Auto verlassen, steigt aber auf Anweisung des Beamten wieder ein. Etwa 20 Sekunden später springt er aus dem Wagen und rennt davon, gefolgt von S., den man "Taser! Taser! Taser!" rufen hört. Beide verschwinden aus dem Blickfeld. Anschließend schoss der Beamte (33) auf den Flüchtenden. Ein Passant hatte die Tat mit seinem Handy gefilmt und veröffentlicht. Der Polizist wurde entlassen und wegen Mordes angeklagt.

Früherer Vorwurf gegen S.

Unterdessen wurde bekannt, dass S. sich bereits zuvor wegen übermäßiger Gewalt gegen einen Schwarzen verantworten musste. Das geht aus einer Beschwerde in seiner Personalakte hervor. S. wurde von diesen Vorwürfen aber entlastet. Damals war er mit einem Kollegen zu einem Einbruch gerufen worden.

Die Betroffene führte sie zum Haus des mutmaßlichen Täters, wo ein Unbeteiligter an der Tür erschien. Obwohl die Frau klarstellte, dass er nicht der Einbrecher sei, sei es zu Handgreiflichkeiten gekommen. Der Betroffene sagte, S. habe ihm grundlos einen Elektroschock verpasst, ihn geschlagen und gezerrt. Der zweite Polizist entgegnete, S. musste die Situation unter Kontrolle bringen. Seiner Akte zufolge kam S. 2009 zur Polizei und hatte sechs Jahre für die Küstenwache gearbeitet. Leistungsbeurteilungen zeichnen ein positives Bild.

Derweil sind deutsche Polizeigewerkschaftler offen für den Einsatz von Körperkameras bei Beamten - aber in Maßen. "Wir glauben nicht, dass es richtig wäre, jeden Polizisten mit einer solchen Kamera auszurüsten", sagte der Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow. Das sei auch nicht im Sinne der Bürger, deren Handeln mit den "Bodycams" auch gefilmt würde.
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