Bis zu 40 000 Tote durch multiresistente Keime

Jedes Jahr sterben in deutschen Krankenhäusern tausende Menschen an Infektionen mit multiresistenten Erregern. Auch die Kliniken in der Oberpfalz haben das Problem auf dem Schirm - und reagierten mit Investitionen in ihre Hygieneabteilungen.

In Kooperation mit der Wochenzeitung "Die Zeit", "Zeit Online", der Funke-Mediengruppe und dem Journalismusbüro "Correctiv" interpretiert das Medienhaus "Der neue Tag" die Abrechnungsdaten der regionalen Krankenhäuser. Bundesweit haben Ärzte bei verstorbenen Patienten im vergangenen Jahr häufiger als 30 000 Mal einen der drei meistverbreiteten Keime MRSA, ESBL oder VRE abgerechnet.

Ob diese Menschen an den Keimen gestorben sind, lässt sich aus den Daten nicht ablesen. Experten sind sich aber sicher, dass die Zahl der Infektionstoten deutlich höher liegt, als das Gesundheitsministerium angibt. Statt 7500 bis 15 000 Toten gebe es "mehr als 30 000 bis 40 000 Todesfälle, wahrscheinlich weit mehr", sagt Professor Walter Popp, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene.

Auch die Kliniken in der Oberpfalz verzeichnen demnach steigende Fallzahlen bei allen multiresistenten Keimen: Die Städte Weiden und Neumarkt sowie die Landkreise Amberg-Sulzbach, Neustadt/Waldnaab, Regensburg und Schwandorf bewegen sich mit 9 Fällen pro 1000 Patienten im mittleren Bereich. Tirschenreuth ist mit 12/1000 ein Ausreißer nach oben, Amberg, Cham und Regensburg mit 8/1000 nach unten. Schlechter sieht es in Bayreuth (15/1000) und Wunsiedel (20/1000) aus. Zum Vergleich: München glänzt mit 3/1000.

Noch deutlicher wird das Problem, wenn man den Vergleich der Datenbasis von 2010 und 2013 betrachtet: Die Veränderungen reichen von minus acht Prozent in Amberg-Sulzbach bis plus 162 Prozent in Tirschenreuth.

Zu wenig Daten

Doch was sagen diese Zahlen wirklich aus? Dr. Thomas Egginger, Ärztlicher Direktor der Kliniken Nordoberpfalz AG, und Manfred Wendl, Vorstand des Klinikums St. Marien in Amberg, warnen vor voreiligen Schlussfolgerungen. "Bei der Erfassung dieser Keime lagen 2010 noch sehr schlechte Daten vor", sagt Egginger. "Das Eingangsscreening wurde nicht flächendeckend durchgeführt." Und Wendl ergänzt: "Wenn ich detaillierter suche, werde ich auch mehr finden." Alles also nur verzerrte Wahrnehmung durch eine unzureichende Datenbasis? Das Problem hat verschiedene Ursachen.(Kommentar und Seite 3)
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