Bischöfe besorgt über zunehmende Polarisierung in der Flüchtlingsdebatte
Marx: "Verbal runterkommen"

Der Münchener Kardinal Reinhard Marx findet in der Flüchtlingskrise deutliche Worte. Archivbild: dpa
Die bayerischen katholischen Bischöfe beobachten mit Sorge eine Polarisierung in der Diskussion über Flüchtlinge. Die Gesellschaft benötige "eine differenzierte und ehrliche Debatte, wie sie die Integrationsleistung erbringen will, wie viele Menschen in unserem Land aufgenommen werden können, welche Folgen dies für Wirtschaft und soziale Sicherungssysteme haben könnte", erklärte die Freisinger Bischofskonferenz am Donnerstag nach ihrer Herbstvollversammlung. Die politisch Verantwortlichen müssten sich dieser Frage gemeinsam konstruktiv stellen.

Der Vorsitzende der Konferenz, der Münchener Kardinal Reinhard Marx, nannte "täglich neu entfesselten Streit, Aufgeregtheiten und das ständige Entwerfen von Worst-Case-Szenarien nicht so hilfreich". Gerade von einer Großen Koalition erwarte er, dass die wichtigsten Verantwortlichen gemeinsam eine Linie festlegten. Alle Beteiligten sollten "verbal runterkommen". Statt in einer Art Pingpongspiel öffentlich nach Schuldigen für manches Problem zu suchen, müsse gemeinsam an den Problemen gearbeitet werden. Dazu müssten auch die Folgen des eigenen Handelns abgeschätzt werden, allerdings nicht nur für Deutschland, sondern auch für die Flüchtlinge selbst.

Als "abwegig" wies der Kardinal den Vorwurf an die Kirchen zurück, sie würden an der Vermietung von Flüchtlingsunterkünften verdienen. Diese Debatte sollte "schleunigst" beendet werden. Die Kirche stelle zwar viele Unterkünfte zur Verfügung, Immobilien seien für sie aber nicht das Hauptthema. "Wir wollen Menschen begleiten", betonte Marx. In diese Aufgabe werde die Kirche massiv investieren.

Das Bistum Regensburg hat dem Bezirk Oberpfalz drei größere Immobilienprojekte zur Schaffung von Wohnraum für Flüchtlingen vorgeschlagen. Das teilte die Pressestelle der Diözese am Donnerstag mit. Es handelt sich dabei um bereits vorhandene Immobilien wie auch um Bauvorhaben, die sich aber noch in der Prüfungsphase befinden.
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