Blamage für Bayern

CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer schmeckt die McKinsey-Studie überhaupt nicht. Archivbild: dpa

Eine McKinsey-Studie hat der Staatsregierung ein sauberes Ei ins Nest gelegt. Sie bescheinigt dringenden Handlungsbedarf, wenn Bayern nicht den internationalen Anschluss verpassen will. Der Aufschrei der Empörung der CSU kommt ebenso spät wie laut.

Es hat wegen der Osterferien gut zwei Wochen gedauert, bis die Studie der Unternehmensberatung McKinsey zur Zukunftsfähigkeit Bayerns im globalen Wettbewerb (Link zur Studie) die Akteure in der Landespolitik erreicht hat. Dabei lassen die Erkenntnisse der Marktexperten durchaus aufhorchen. Bayern stehe gegenwärtig zwar top da, doch bei den für die künftige Entwicklung bedeutenden Indikatoren wie Einkommensverteilung, Start-up-Quote, Bildungsmobilität, Internetzugang und Ressourcenproduktivität komme der Freistaat "im nationalen Vergleich nicht über das Mittelmaß hinaus", heißt es in der Studie "Bayern 2025 - Alte Stärke, neuer Mut".

Auch international bleibe Bayern "insgesamt zurück". Die Folge: Ohne Reaktion der Politik seien 40 Prozent der Arbeitsplätze bedroht. "Das bayerische Erfolgsmodell ist Gefahr, der Handlungsdruck ist groß", schrieben die McKinsey-Leute.

Grüne: "Salve vor den Bug"

Die Grünen nutzten gleich den ersten Arbeitstag nach der Osterpause zu einer politischen Bewertung der Studie. "Das ist nicht nur ein Schuss, das ist eine ganze Salve vor den Bug der Staatsregierung", erklärte Fraktionschef Ludwig Hartmann. Seine Kollegin Margarete Bause attestierte der Staatsregierung eine "Mischung aus Selbstgefälligkeit, Mutlosigkeit und Ideenlosigkeit". Wenn es sich die CSU weiterhin nur im Hier und Jetzt bequem mache, "dann wird sie unsanft aus ihrem Zufriedenheitsnickerchen aufwachen", prognostizierte Bause. In der Sache fühlte sie sich von McKinsey bestätigt. Denn deren Empfehlungen zum gerechteren Bildungszugang, zum Nutzen der Chancen aus der Zuwanderung, zur dezentralen Energieversorgung oder einer ressourcenschonenderen Landwirtschaft gehörten "zum Kernbestand grüner Programmatik".

Weil die McKinsey-Studie so gar nicht zur jahrezehntelang geübten Hochglanzrhetorik der Staatsregierung vom ewigen Spitzenstandort Bayern passt, hat ein offenbar über die Maßen verärgerter Horst Seehofer seine Wirtschaftsminister Ilse Aigner beauftragt, eine Art Gegenpapier zu erstellen. In der Ministerratssitzung am Dienstag legte es Aigner dann vor. Es kommt wenig überraschend zu dem Ergebnis, dass Bayern für die Zukunft bestens aufgestellt ist.

Kreuzer: Längst reagiert

"Es ist Selbstverständnis bayerischer Politik, sich frühzeitig auf neue Trends einzustellen", konterte Aigner den McKinsey-Leuten und verwies auf die laufende Digitalisierungsstrategie, die Förderung von Unternehmensgründungen und die verstärkte internationale Ausrichtung des Freistaats. Noch deutlicher wurde CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer. "Es ist nicht zutreffend, dass Bayern auf die Zukunft bezogen nur Mittelmaß ist", knöpfte er sich eine zentrale Aussage der McKinsey-Studie vor. Überall dort, wo deren Verfasser Handlungsbedarf ausgemacht hätten, habe die bayerische Politik längst reagiert. Das schnelle Internet sei auf dem Weg, die Bildungsreformen liefen längst und in Sachen Integration sei Bayern ein Vorbild. "Die Themen der Zukunft werden in Bayern aufgearbeitet wie in keinem anderem Land", versuchte Kreuzer, die Deutungshoheit zurückzugewinnen.

Bayern 2025 - Studie von McKinsey & Company (PDF)
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