Blatter kommt mit blauem Auge davon

Joseph Blatter. Bild: dpa

Die turbulenten Fifa-Tage haben einen Sieger: Joseph Blatter. Trotz Korruptionsskandal und Rücktrittsforderungen bleibt der Schweizer Präsident des Fußball-Weltverbandes - allerdings als Chef mit Kratzern. Der Machtkampf mit der Europa-Opposition tobt weiter.

Joseph Blatter bleibt der Herrscher der Fußball-Welt. Doch sein Thron hat kräftig gewackelt. Mit seinem untrüglichen Machtinstinkt hat der heftig kritisierte Fifa-Präsident nach dem jüngsten Skandal alle Angriffe abgewehrt. Nach einem denkwürdigen Kongress inklusive Bombendrohung geht er in seine fünfte Amtszeit beim schlingernden Weltverband.

"Ich werde die Fifa zurückbringen, gemeinsam schaffen wir das", rief Blatter den Delegierten aus den 209 Mitgliedsländern zu, die er nun für vier weitere Jahre anführen kann. Seine Wahl wurde von vielen Delegierten mit Jubel quittiert. Der 79 Jahre alte Schweizer wurde am Freitag beim Fifa-Kongress im Hallenstadion von Zürich trotz des massiven Korruptionsskandals um führende Mitglieder seiner Fußball-Regierung mit 133:73 Stimmen gegen seinen einzigen Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein gewählt. Ein eigentlich nötiger zweiter Wahlgang wurde gestrichen, da der Jordanier auf diesen verzichtete. Für Blatter gab es in der geheimen Abstimmung die zweitmeisten Gegenstimmen seiner jetzt schon 17 Jahre währenden Regentschaft - die ihm selbst "ganz kurz vorkommt".

Nach dem Verzicht al-Husseins atmete Blatter tief durch. "Ich war etwas nervös heute, das gebe ich zu", gestand er und wurde euphorisch: "Ich mag euch, ihr habt mich zurück in die Fifa gebracht. Ich bin nicht perfekt." Zudem kündigte er einen Rückzug für 2019 an, am Ende seiner Amtszeit werde er eine robuste Fifa an seinen Nachfolger übergeben.

"Fußball gibt Emotionen und Hoffnungen. Die müssen bestehen bleiben - auch für uns", sagte Blatter. "Wir müssen unser Image wieder verbessern. Morgen müssen wir damit anfangen." Mit diesen Worten stach der Fifa-König den Prinzen aus. Al-Hussein hatte eine recht fade Rede gehalten und keine Alternative aufzeigen können. Blatter bestach mit simplen Versprechungen: "Ich will eine schöne Fifa."

Das knappe Ergebnis ist dennoch Ausdruck einer starken, aus Europa gesteuerten Opposition um Uefa-Boss Michel Platini und Wolfgang Niersbach. Der DFB-Präsident wird erst in den kommenden Tagen oder gar Wochen endgültig entscheiden, ob er unter Blatter sein neues Amt im Fifa-Exekutivkomitee auch ausüben wird.
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