Blick zurück ins Jahr 1967: Als Udo Jürgens in Amberg war - Unmut über Eintritt
"Merci, Cherie" im Josefshaus

Nicht lange nach seinem Triumph beim Eurovsion Song Contest ging Udo Jürgens in den 1960er Jahren auf Tournee und kam dabei auch nach Amberg. Zwei Reporter der AZ interviewten ihn in einem Hotel beim Bahnhof. Es sollte der einzige Besuch des am Sonntag gestorbenen Entertainers in der Vilsstadt bleiben. Bild: Lischka/hfz
Amberg. (hou) Als er 1967 nach Amberg kam, war dieser Mann in aller Munde: Udo Jürgens hatte 1966 den Eurovision Song Contest gewonnen. Nicht lange danach befand sein Manager Hans R. Beierlein: "Wir gehen auf Tour mit ihm." Und plötzlich hingen auch in Amberg Plakate.

Udo Jürgens im Josefshaus. Warum dort? Größere Hallen, in denen er später über Jahrzehnte hinweg auftrat, gab es seinerzeit so gut wie nicht. Also gastierte er in Sälen, die gerade einmal 800 Zuhörer fassten. Im Vorfeld des Konzerts, das der damals 33-Jährige gab, hatte es in der Amberger Zeitung Leserbriefe gehagelt.

Thema dabei: "Schön, dass er kommt. Aber warum werden 20 Mark Eintritt verlangt?" Viel Geld für seinerzeitige Verhältnisse. Heutzutage kosten zwei Programmhefte schon diesen Preis.

Trotz Unmuts restlos ausverkauft

Der Österreicher reiste an und Bert Schindler, damals Redaktionschef der Amberger Zeitung, befand: "Hingehen und mit ihm reden." Vier Stunden vor dem Konzert, das trotz des Unmuts über den Ticketpreis restlos ausverkauft war, erhielt Jürgens Besuch von zwei Journalisten. Er logierte in einem Hotel beim Bahnhof, wusste nichts vom geplanten Interview. Aber er hatte Zeit. Also wurde geredet.

Er saß auf dem Teppichboden, als die Reporter eintraten. Jürgens telefonierte mit Ehefrau Panja, fragte nach Johnny und Jenny, den Kindern. Dann erhob sich der kometenhaft zum Star gewordene Mann, bot Wein an, ließ sich fotografieren und sagte: "20 Mark kostet die teuerste Karte? Das ist schon eine Menge Geld."

Dann schob er nach: "Man orientiert sich heute daran, dass die teuersten Tickets das kosten, was für eine Langspielplatte verlangt wird." Dafür musste man auch schon damals 18 Mark ausgeben.

Er nahm sich stets Zeit

Das Gespräch dauerte eineinhalb Stunden. Keiner in der Nähe, der auf die Uhr schaute und zum Gehen drängte. So war der Schlagersänger immer. Er nahm sich stets Zeit. Egal, ob er mit Fans oder mit Medienleuten sprach.

In seinem eher kleinen und spartanisch eingerichteten Hotelzimmer erzählte Jürgens von den Schwierigkeiten, mit der plötzlich eingetretenen Popularität fertig zu werden. Von seinen Plänen berichtete er und von neuen Liedern, die ihm gerade durch den Kopf gingen.

Einziger Besuch in Amberg

Am Abend trat Jürgens im Josefshaus auf. Frenetisch gefeiert von seinen Fans und gleichwohl ein wenig ungehalten, als einem Gitarristen des Uebelherr-Quartetts aus Augsburg, das ihn dabei begleitete, eine Saite riss und der Musiker nicht rasch genug in der Lage war, sie zu wechseln.

Es sollte der einzige Besuch in Amberg bleiben. Doch bis heute hat man im Ohr, wie es war, als im Josefshaus "Merci, Cherie" erklang.
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