"Bluesgitarr" am Dorf

Er ist ein echter Münchener und liebt seine Heimatstadt. "Minga" würde er sie jedoch nie nennen. Das tun nur die Auswärtigen

Michi Dietmayr, Liedermacher und Musikkabarettist, brach in seinem Programm "Heimat? München!" eine Lanze für die Landeshauptstadt: Humorvoll und teils tiefgründig riss er am Samstag im Theaterstodl des Gasthauses Plödt das Publikum mit.

Seit dem elften Lebensjahr schreibt der gelernte Automechaniker und diplomierte Sozialarbeiter Lieder. Darin verarbeitet er seine Gefühle und erweist sich als scharfer Beobachter seiner Umwelt. Das Ergebnis sind zum Teil witzige Stücke wie das Protestlied gegen die Hightech-S-Bahnen mit Computerstimme. Tempo nimmt er raus, wenn er in die Gefühlswelt abgleitet, wenn es um jugendliche Bösewichte geht, die sich zu Hause im Bett fürchten.

Neben dem vorbereiteten Programm spielt er auch Songs, von denen er glaubt, dass sie sein Publikum gerade hören will. Wohl fühlte er sich in dem 20-Seelen-Dorf Diepoltsreuth, das zu seiner Show zum "Oberpfälzer Wacken" mutierte, von Beginn an. So singt er sein bekanntes "Liebeslied in Ost-Dur" oder berichtet über Erfahrungen in der "Weiber-WG". Er thematisiert den Umzug im Stadtteil, den er neben dem Weißbierbaum bei 40 Grad im Schatten in der Hängematte verfolgt und warnt vor "Gefährlichen Phantasien", bei denen er auf dem Großglockner auf "Rio-Deandln" wartet oder vor Gisela, dem Orca Wal in der Isar.

Zum Schießen finden die Zuhörer die Hymne an die Frauen mit deren drei größten Problemen "Hunger, Pipi, kalt". Der Münchner ist ein Vollblutmusiker, der mit der Gitarre sowie einer kräftigen und facettenreichen Stimme überzeugt.

Am Ende wird er wieder leise, und das Publikum hört aufmerksam zu bei "Schenk mia a Liacht", das er braucht, wenn es mal nicht so gut läuft. Der Applaus ist riesig und verdient für eine mitreißende Performance. Als Zugabe gibt es das Lied über das erste Sexlokal in Amperbettenbach, den "Sommerhit", in dem Dietmayr auf Nippelschau geht, und zu guter letzt noch das tolle ruhige "Sei oide Bluesgitarr", die der alte Straßenmusiker vom Stachus bluesig sprechen lässt.

Dietmayer verdiente sich ein dickes Lob als glänzender Musiker und Sänger mit enormer Bühnenpräsenz. Er traf eine gute Mischung aus laut und witzig und leise und tiefgründig. Zum Schluss gab es von ihm auch ein großes Lob für die Gäste und dafür, dass es solche Veranstaltungen in einem so kleinen Dorf gibt.
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