Blutbad mit Ansage

Das Einkaufszentrum mit der "Twin Peaks"-Bar war Schauplatz der Eskalation eines lange schwelenden Rockerstreits. Bild: dpa

Den Ausbruch von Gewalt hatte die Polizei seit Tagen befürchtet - nicht aber dieses Ausmaß. Neun Menschen starben im Kugelhagel rivalisierender Rocker in Texas. Tatort war ein Restaurant in einem gut besuchten Einkaufszentrum.

Angeblich fing es mit einem dummen Blick auf der Toilette an. Erst stritten die Männer mit Worten, dann mit Fäusten und Messern und zuletzt mit Schrotflinten. Die Spannungen zwischen Rockerbanden eskalierten zu einer blutigen Bikerschlacht. Bei der Schießerei am Sonntag kamen neun Menschen ums Leben, mehr als 165 wurden verhaftet. "In meinen fast 35 Jahren bei der Polizei ist das der brutalste und grauenvollste Tatort, mit dem ich je zu tun hatte", sagte Polizist Patrick Swanton CNN. Der Sender zeigte Bilder, die eher an den Nahen Osten oder die kolumbianischen Drogenkriege erinnern, als an eine Stadt zwei Autostunden südlich von Dallas: Auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums steht ein Heer von Polizeiwagen mit wild blinkenden Lichtern, Polizisten sehen mit Sturmgewehr und Schutzweste aus wie im Irak-Einsatz. Auf dem Boden sitzen gefesselte Rocker, auf dem Rücken ihrer Jeanswesten die martialischen Logos ihrer Clubs. Mehr als 100 Waffen sollen gefunden worden sein.

Bekannt für Biker-Nächte

Es war ein Verbrechen mit Ansage, auch wenn vermutlich niemand diese Dimension erwartet hat. Das große Restaurant, stolz auf seine 55 großen Fernseher und 24 Sorten Bier, veranstaltet "Biker Nights", extra für Motorradfahrer. Die treffen sich am nächsten Montag, dem "Memorial Day", traditionell zu Massenfahrten, die sich stolz "Rolling Thunder" (rollender Donner) nennen. Aber in Waco treffen sich nicht nur Enthusiasten, die die Freiheit auf zwei Rädern lieben, sondern straff organisierte Banden, die um die Vormacht am Drogenmarkt kämpfen. Und Waffen gehören in Texas sowieso dazu.

Diese Biker seien "keine Schar Ärzte und Anwälte auf Harleys", sagte ein Polizist. "Das sind Kriminelle auf Harley-Davidsons." Hätten die Manager des Grill-Lokals auf die Warnungen der Polizei vor den "Biker Nights" gehört, hätte diese Schlacht verhindert werden können. Seit Tagen hatten sich Spannungen entwickelt, vor allem zwischen "Bandidos" und "Cossacks". Doch gleich fünf Banden sollen in Waco gewesen sein. Deshalb war auch die Polizei da. Die "New York Times" fand heraus, dass vor den Schüssen zwölf Polizisten am späteren Tatort waren, um zu Deeskalieren und Präsenz zu zeigen.

Polizist: Ein Wunder

Nach den Wortgefechten in der Toilette ging es auf dem Parkplatz weiter, immer schärfer, bis schließlich geschossen wurde. Mittags, in einem vielbesuchten Einkaufszentrum. "Es sind so viele Kugeln aus den Waffen der Gangster abgefeuert worden, dass es ein Wunder ist, dass keine unschuldigen Zivilisten verletzt wurden", sagte Swanton.

Die ganze Nacht hätten Polizei und Justiz die Festgenommenen verhört. Ihnen wird Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen, einigen Mord. Das Restaurant mit seinen knapp bekleideten Kellnerinnen - am Mittwoch stand der "große Bikini-Wettbewerb" an - wird sieben Tage geschlossen. Die Schließung sei keine Strafe, betont die Polizei. Doch gehe von dem Lokal "nach wie vor eine Bedrohung für unsere Gemeinschaft" aus.
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