Blutige Kämpfe auf Straßen in Deutschland

Eine Polizistin trägt in Hamburg nach einer Demonstration Hieb- und Stichwaffen davon. Bild: dpa

Der Konflikt zwischen Kurden und Islamisten in Syrien lässt auch in Deutschland die Emotionen hochkochen. Bei blutigen Zusammenstößen der Lager kann die Polizei die Gewalt nur mit Schlagstöcken und Wasserwerfern beenden - wie lange noch?

Bei den gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Kurden und Islamisten sind in Hamburg und Celle mindestens 23 Menschen verletzt worden, einige von ihnen schwer. Dutzende Verdächtige wurden vorübergehend festgesetzt. Die Polizei in Celle unterband die Zusammenstöße in der Nacht zum Mittwoch mit Schlagstöcken und Pfefferspray, in Hamburg kamen Wasserwerfer zum Einsatz. Hintergrund der Gewalt sind Proteste von Kurden gegen den Vormarsch der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf die eingekesselte kurdische Stadt Kobane in Syrien.

In Hamburg standen sich im Stadtteil St. Georg jeweils rund 400 Kurden und Islamisten aus der Salafisten-Szene gegenüber. Beide Gruppen waren zum Teil mit Schlagstöcken, Metallstangen und Messern bewaffnet. Laut Polizei ist unklar, welche Seite zuerst angriff. Den Beamten gelang es erst mit Hilfe von Wasserwerfern, die Gruppen abzudrängen.

Doch kam es zu Auseinandersetzungen zwischen kleineren Gruppen andernorts. Dabei wurden mindestens 14 Menschen verletzt, 4 von ihnen schwer. In Celle kam es nachts zu Ausschreitungen zwischen rund 400 jesidischen Kurden und muslimischen Tschetschenen. Nur mit mehreren Hundert Beamten gelang es der Polizei, eine Massenschlägerei wie am Vorabend zu verhindern. Vier Beamte und fünf Teilnehmer wurden dennoch verletzt. Aufrufe radikaler Islamisten hatten den Konflikt nach Angaben der Stadt Celle zusätzlich befeuert.

Über soziale Medien habe unter anderem der islamistische Prediger Pierre Vogel dazu aufgerufen, den Muslimen zur Hilfe zu eilen. In Stuttgart wurden Polizisten bei Kurden-Demonstrationen am Dienstag mit Steinen und Flaschen beworfen. Am Mittwochabend gingen in deutschen Städten erneut Kurden auf die Straße. In Bielefeld besetzten mehr als 30 junge Kurden vorübergehend eine SPD-Geschäftsstelle. Am Dortmunder Hauptbahnhof blockierten Demonstranten Gleise. Bei Kundgebungen für den Schutz Kobanes kamen in der Türkei mindestens 14 Menschen ums Leben.

In Kobane in der Falle

Die Lage in der eingekesselten Stadt wird immer unübersichtlicher. Zunächst war am Mittwoch von einem Teilrückzug der Dschihadisten berichtet worden. Ein kurdischer Kämpfer, der über die Grenze in die Türkei kam, berichtete aber: "Die Situation ist schlechter, als die Menschen denken". Viele seien ernsthaft verletzt und noch immer in Kobane: "Es war nicht möglich, sie rauszubringen."

Sollte die Terrormiliz IS von Kobane in Richtung Türkei vorrücken, könnte Ankara den Bündnisfall ausrufen, der Nato-Partner zur Verteidigung der Türkei verpflichten würde. Bisher haben die an der Grenze stationierten türkischen Truppen nicht eingegriffen. Das Parlament in Ankara hatte der Regierung jedoch die Erlaubnis dazu erteilt.
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