Bluttat gibt Rätsel auf

Andenken an Alison Parker und Kameramann Adam Ward. Warum sie erschossen wurden, war auch am Donnerstag unklar. Bild: dpa

Auch an Tag eins nach der Bluttat von Virginia beherrscht das Thema viele US-Medien, verdrängt sogar den aufgeregten Vorwahlkampf. Warum hat der ehemalige Mitarbeiter eines TV-Senders zwei Kollegen erschossen?

Die tödlichen Schüsse auf zwei TV-Journalisten in Virginia haben die Debatte über den Umgang mit Waffen in den USA neu entfacht. US-Präsident Barack Obama sagte, durch solche Verbrechen würden in seinem Land mehr Menschen sterben als durch Terrorismus. Der Gouverneur des Staates Virginia, Terry McAuliffe, sagte CNN, es gebe einfach zu viele Waffen in den Händen von Menschen, die keine haben sollten.

Zwei TV-Journalisten des Senders WDBJ7 waren am frühen Mittwochmorgen (Ortszeit) vor laufender Kamera während eines Interviews erschossen worden, allem Anschein nach von einem früheren Kollegen. Der Täter starb wenige Stunden später nach einer etwa 180 Kilometer langen Flucht an Schussverletzungen, die er sich kurz vor seiner Festnahme selber zugefügt hatte.

Die Polizei gab den Namen mit Vester L. Flanagan an. Für den Sender WDBJ7 hatte er unter dem Namen Bryce Williams gearbeitet. 2013 wurde er entlassen.

Flanagan hatte seine Bluttat um 6.45 Uhr in dem Einkaufscenter Bridgewater Plaza gefilmt. Auf seiner Flucht twitterte er weiter, stellte einen Film und Bilder ins Internet. Dies befeuert eine Debatte über einen Zusammenhang von Gewalt, Waffen und sozialen Medien. Die Filme wurden von Facebook und Twitter rasch entfernt, machten aber auf anderen Wegen weiter die Runde. Die Motive Flanagans blieben auch am Donnerstag unklar. Er hatte dem Sender ABC ein 23-seitiges, recht wirres Schreiben geschickt, in dem er unter anderem die tödlichen Schüsse auf Schwarze in einer Kirche in Charleston als ein Motiv nannte.

Die Familien der Getöteten, zahlreiche Kollegen, aber auch viele Zuschauer trauerten um die beiden Opfer. Die Journalistin Alison Parker (24) galt als Star des Senders und war überaus beliebt. Wie Kameramann Adam Ward (27) habe sie vor einer glänzenden Karriere gestanden, erklärte der Sender. Parkers Familie veröffentlichte ein Statement: "Unsere großartige, kluge, ehrgeizige, wunderschöne und unendlich talentierte Alison wurde der Welt genommen. (...) Unsere Familie ist zerstört."
Weitere Beiträge zu den Themen: Weltgeschehen (20753)August 2015 (7425)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.