Bodenständig und schwerelos

Alexander Gerst ist für die Befürworter der Raumfahrt ein Geschenk des Himmels. Der sympathische Weltall-Heimkehrer absolviert momentan Auftritt um Auftritt - wohl auch, weil bald eine sehr wichtige Ministerkonferenz ansteht.

Ein aufschlussreiches Zitat kam bei der Konferenz im Europäischen Astronautenzentrum in Köln am Mittwoch nicht vom Podium, sondern von den Zuhörern. Ein Mitarbeiter der Europäischen Weltraumagentur ESA seufzte: "Alle lieben Alex. Davon werden wir noch lange zehren müssen." Alexander Gerst ist ein Phänomen: Da parlierte er in makellosem Englisch, alles druckreif. Und blieb eben doch Alex. Einer der abhebt, aber dabei kein bisschen abgehoben rüberkommt. Die meisten Daten, die er im All gesammelt habe, müssten noch ausgewertet werden, sagte Gerst, der in der vergangenen Woche von der Internationalen Raumstation ISS zurückgekehrt war. "Ich bin gespannt, was da rauskommt."

Leben verbessern

Die ESA und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) scheinen entschlossen, die "Alex-Festwochen" noch mindestens bis zum 2. Dezember auszudehnen. Dann entscheidet eine Ministerrats-Konferenz über die Finanzierung des europäischen Teils der ISS. Führende Mediziner, Physiker, Zellbiologen und Molekularwissenschaftler versichern immer wieder, wie wichtig die Experimente in der Schwerelosigkeit seien. Sie dienten dem Zweck, "das Leben auf der Erde zu verbessern", betonte auch Gerst. Die Botschaft muss inzwischen lauten: Auch du brauchst die Raumfahrt! Weil du zum Beispiel Osteoporose bekommen könntest, und Experimente auf der ISS dabei helfen, Medikamente zu entwickeln.

Es war DLR-Chef Jan Wörner, der eine Anekdote über Michael Faraday (1791-1867) erzählte, den bedeutendsten Pionier bei der Entwicklung des elektrischen Stroms. Als Faraday dem britischen Premierminister einmal seine Generatoren vorführte, fragte der Politiker nur: "Und wozu soll das gut sein?" Ebenso empfinden Wörner, Reiter, Gerst & Co die Frage, was die Erforschung des Universums letztlich bringen soll. Faraday ließ sich übrigens nicht provozieren. Er soll geantwortet haben: "Keine Ahnung. Aber ich wette, dass Ihre Regierung es eines Tages besteuern wird."
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