Brandanschlag auf Flüchtlingsheim in Tröglitz weckt in Mittelfranken Erinnerungen
Alle blicken wieder auf Vorra

Der evangelische Pfarrer Björn Schukat (37) wirkt genervt. Gerade war in Vorra ein bisschen Ruhe eingekehrt, da geben sich schon wieder Reporter und Kamerateams die Klinke in die Hand. Er soll Interviews geben, dabei sollte er eigentlich die Konfirmation vorbereiten. Der Brandanschlag in Tröglitz (Sachsen-Anhalt) am vergangenen Samstag hat den 1700-Einwohner-Ort im Pegnitztal erneut in den Blickpunkt überregionaler Medien gerückt.

Denn vor knapp vier Monaten hatten Unbekannte neben dem früheren Gasthof "Zur Goldenen Krone" ein als Flüchtlingsunterkunft ausgebautes Wohnhaus für 70 bis 80 Menschen in Brand gesteckt und verwüstet. Und ebenso wie in Tröglitz gehen die Ermittler von einem rechtsextremen Hintergrund aus. Von den Tätern fehlt aber auch in Vorra jede Spur. Die 30-köpfige Nürnberger Kripo-Sonderkommission tappt im Dunkeln. Eine "gespenstische Nacht" sei das gewesen, als aus mehreren Dachfenstern die Flammen schlugen, erzählt Schukat einem TV-Team aus Leipzig. "Das war damals für viele ein großer Schock". Dabei sei die Stimmung im Dorf überhaupt nicht fremdenfeindlich.

Treppe völlig zerstört

"Ganze Arbeit geleistet" hätten der oder die Täter, berichtet der Vorraer Bürgermeister Volker Herzog (SPD), als er Besucher durch den ausgebrannten früheren Gasthof führt. Der Weg in die oberen Etagen führt über eine stählerne Außentreppe; denn das hölzerne Treppenhaus ist völlig ausgebrannt. Eine Firma ist dabei, das rußgeschwärzte Dachgebälk zu reinigen. Ein Stockwerk tiefer müssen alle Wände neu verputzt werden. Es sieht also nach Aufbruch aus - nur die erfolglose Tätersuche behindert ein bisschen die Rückkehr zur Normalität. "Vorra würde sich leichter tun, wenn der Täter gefunden würden. Das würde den Leuten helfen, den Brandanschlag einzuordnen", sagt Schukat.

Auch die von Sachsen-Anhalts Ministerpräsidenten Reiner Haseloff (CDU) nach dem Brandanschlag aufgestellte Behauptung "Tröglitz ist überall" stößt in Vorra auf Widerspruch. Es gebe zwar überall dort, wo Flüchtlingsunterkünfte entstehen, Zurückhaltung und Ressentiments, räumt Pfarrer Schukat ein. "Aber dass das in Gewalt umschlägt, ist ganz selten der Fall".
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