Brennpunkt Feiler-Stodl

Trotz lautstarkter Wortgefechte hat die Dorfgemeinschaft in Reichenau wieder eine komplette Führungsriege mit Vorsitzendem Johannes Wolf und Stellvertreter Josef Spitzner (von links). Bild: fjo

In der Jahreshauptversammlung der Interessengemeinschaft Reichenau kochten die Emotionen hoch. Unverständnis herrschte darüber, dass die Dorferneuerung abgeblasen wird, weil der Markt einen soliden Haushalt vorlegt.

Stellenweise war die Jahreshauptversammlung der Interessengemeinschaft (IGR) kein leichter Job für Bürgermeisterin Margit Kirzinger. Marktrat Stefan Harrer stand bei den teils sehr emotionsgeladenen und lautstarken Streitgesprächen mit einigen Bürgern voll hinter ihr. Vor allem die vehementen Forderungen nach Projekten eines Dorferneuerungsprogramms und Straßenbaumaßnahmen schweißten beide Politiker zusammen.

Immerhin gelangen die Neuwahlen. Es kam eine komplette Führungsriege mit Vorsitzendem Johannes Wolf zustande. Kassier Hans-Jürgen Spitzner berichtete über die Finanzen des Vereins. Prüfer Heinz Kunz stellte keine Mängel fest.

Spitzner informierte über die Klärschlammentsorgung. Im September 2014 wurden elf Klärgruben entleert und in der Anlage in Altenstadt/WN entsorgt. Durch die zentrale Organisation wären Anfahrtskosten und Zeit gespart worden. Spitzner schätzte im Hinblick auf die anderen eingeholten Angebote die Ersparnis durch die gemeinsame Entleerung auf Summen zwischen 50 und 80 Euro.

Wolf sah die Aufgaben der IGR zurzeit nur auf die Kirchplatzpflege und die Klärschlammentsorgung beschränkt. Er dankte Helfern und der Gemeinde für den Rindenmulch. Die Kleinkläranlagen warte weiterhin Andreas Eisenmann, was völlig unproblematisch funktioniere.

Hitzige Debatte

Dann wurde es hitziger: "Enorm enttäuscht" sei er, dass "trotz der vielen geleisteten Vorarbeiten durch die IGR eine Auflösung der Dorferneuerung durch das Amt für ländliche Entwicklung bevorsteht". Als Grund nannte Wolf "die aktuell gute Haushaltslage des Markts". Deshalb habe es in den letzten Jahren keinerlei Fördermöglichkeit gegeben, "wodurch wiederum keine Maßnahmen aufgegriffen wurden."

Und mehr noch: "Als die Dorferneuerung vor 14 Jahren startete, wurde als Grund die schlechte Haushaltslage angegeben. Damals wurden auch schon keine Mittel im Gemeindehaushalt dafür bereitgestellt." Ganz besonders er, aber auch der größte Teil der Reichenauer Bürger, finde es "sehr schade", dass der bisherige, durch die IGR ausgearbeitete Maßnahmenkatalog - für die Förderungen in Höhe von rund einer halben Million Euro bereitgestanden wären - nicht in Angriff genommen wurde. Zudem werde die Teilnehmergemeinschaft Reichenau, die für die Flächenzusammenlegung zuständig war, voraussichtlich ebenfalls Anfang 2015 aufgelöst.

Kirzinger: ALE ist schuld

Die Dorferneuerung werde nicht durch die Marktgemeinde, sondern durch das Amt für ländliche Entwicklung (ALE) beendet, bemerkte Bürgermeisterin Kirzinger. Allerdings wäre ein Wiedereinstieg mit bevorzugter Behandlung jederzeit möglich, wenn die Voraussetzungen für eine Förderung wieder gegeben seien.

Aktuell komme die Gemeinde allerdings nicht in den Vorzug einer Förderung, und es könne auch keine feste Aussage dazu getroffen werden, wann dies wieder der Fall sei. Um trotzdem weitermachen zu können, hole die Kommune jedoch bereits aktuelle Angebote für die Begutachtung des gekauften Feiler-Stodls ein. Dieser sei ein zentraler Punkt im Dorf, und alles hänge vom Zustand und dem Umbau oder Abriss ab.

Streit um Gutachten

Harrer hatte auf eigene Faust recherchiert. Als Reichenauer und Marktratsmitglied interessiere ihn die Vorgehensweise sehr. Die Antwort des stellvertretenden Behördenleiters, Georg Braunreuther, bestätigten die Aussagen der Bürgermeisterin in allen Punkten. Wolf wollte wissen, warum das Gutachten erst nach dem Erwerb des Feiler-Stodls durch die Gemeinde in Auftrag gegeben worden sei. Hier führten die Bürgermeisterin und Harrer aus, dass nach den Aussagen Braunreuthers ein Gutachten üblicherweise der Eigentümer in Auftrag gebe und durch den Abriss von Haus Nummer zwei der Feiler-Stodl als zentraler Punkt für die Dorferneuerung angesehen wurde.

Kurt Feiler machte sich für die Idee eines Museums in diesem Gebäude stark. Dafür gäbe es die unterschiedlichsten Fördermöglichkeiten: "Durch die Nähe zur Tschechischen Republik bestehen ja hier besondere Fördertöpfe." Kirzinger sagte, die Förderungsmöglichkeiten würden entsprechend in Anspruch genommen. Hierzu verwies sie beispielhaft auf das Kommunbrauhaus in Eslarn. Allerdings wäre aktuell das Wichtigste, dass zuerst einmal durch eine Begutachtung alle Möglichkeiten des Stodls aufgezeigt würden. Außerdem hielt sie es für vorrangig, die Mehrheit der Einwohner von Reichenau für eine entsprechende Nutzung zu gewinnen.

Gerlinde Heilgemair sprach die nicht erneuerten Straßen zum Anwesen Stöckl sowie zur Fabrik an. Im aufkommenden Wortgefecht zog Winklmann die Aufmerksamkeit auf sich, als er "die neue Bürgermeisterin als Chance" sah: "Alte Sachen gehören der Vergangenheit an. Die bisher ausgearbeiteten Projekte sind 15 Jahre alt und können als Grundlage dienen, müssten jedoch neu beurteilt werden. Allerdings wird das Dorf keine Möglichkeiten bekommen, wenn wir nicht geschlossen zusammenstehen." So bat er Kirzinger, Projekte wie die Nutzung des Feiler-Stodls "nicht über die Köpfe der Bürger zu entscheiden." Josef Grötsch pflichtete ihm energisch bei: "Wir tarocken ständig in der Vergangenheit herum. Wir müssen was Neues machen, damit es weitergeht. Wer einen Fehler machte oder wer schuld ist, interessiert mich nicht mehr."

Nicht marode

Da mit Kritik auch vor dem Feuerwehrhaus nicht Halt gemacht wurde, hielt Spitzner dagegen: "Das Gerätehaus ist nicht marode, und unsere Ausrüstung ist tipptopp." Kirzinger dankte für die Pflege des Kirchplatzes und berichtete, dass auf dem Antennenplatz eine Parkbank aufgestellt werde. Ein treuer Urlauber, der in Reichenau zur Welt kam, spende diese.

Antennenplatz aufwerten

Kunz und Pfarrer Georg Hartl plädierten dafür, den Antennenplatz attraktiver zu gestalten, etwa durch Ausdünnen der Sträucher und Büsche. Die Rathauschefin erwähnte, dass der Bau der Klärgrube für das Schützenhaus für 2015 geplant sei und der Turnerplatz kurzfristig geschottert werden soll. "Vielleicht tut sich ja doch etwas", schloss Wolf zuversichtlich und sagte: "Es muss wieder was passieren. Nehmt das bitte alle mit."
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