Buchtipps lassen den Leser sich fragen "Wie hätte ich gehandelt?"
Heimlichkeiten und Gewalt

Wer gern schmökert, kommt auch im neuen Jahr voll auf seine Kosten: Ralf Volkert von der Buchhandlung Volkert in Sulzbach-Rosenberg empfiehlt neue Bücher aus verschiedenen Genres.

Rosa Ribas, Sabine Hofmann: "Das Flüstern der Stadt"

1952, zu Zeiten der Franco-Diktatur in Barcelona: Eine Arztwitwe liegt erschlagen in ihrem Wohnzimmer. Die junge Journalistin Ana Martí soll über den Fall berichten - ihre Karrierechance. Doch sie darf nur schreiben, was ihr vorgegeben wird, denn das Regime will den Fall schleunigst unter den Teppich kehren. In der Wohnung der Toten findet Ana Liebesbriefe, die sie ihrer Cousine zeigt, der Sprachwissenschaftlerin Beatriz. In den Briefen könnte die Lösung des Falls stecken - doch ihre Ermittlungen bringen die beiden Frauen in große Gefahr.

"Dieses Buch beschreibt nicht nur einen Liebesmord, sondern führt in politische Kreise und deren dreckige Geschichten. Ein schöner, spannender Krimi, nicht zu blutig, mit vielen spannenden Wendungen und zwei starken Frauen."

Greg Iles: "Natchez Burning"

Natchez ist ein Städtchen am Mississippi mit dunkler Vergangenheit: In den 60er Jahren verfolgte und vertrieb ein Geheimbund weißer Bürger die Schwarzen, was sich bis hin zum Mord an einem schwarzen Musikalienhändler steigerte, der gemischtrassigen Paaren ein heimliches Liebesnest bot. Nun kehrt Viola Turner zurück, die damals aus der Stadt floh - und stirbt wenig später. Über Bürgermeister Penn Cage brechen die Wogen zusammen: Sein Vater wird wegen Mordes verhaftet. Mit Hilfe eines Journalisten versucht Penn, den wahren Mörder zu finden.

"Ein rasender, atemloser Krimi, bis es zum Schluss zum Showdown kommt. Iles macht das toll, man unterhält sich blendend. Nur der Schluss lässt ein paar offene Enden, aber das ist zu verschmerzen."

Colum McCann: "Transatlantik"

Frederick Douglass, ein befreiter amerikanischer Sklave, macht 1845 eine Vortragsreise durch Irland. In der jungen Magd Lily weckt Frederick die Liebe zur Freiheit: Sie läuft ihrem Dienstherrn davon und geht nach Amerika. 1919 glückt zwei Piloten der erste Nonstop-Atlantikflug, über den Lilys Tochter Emily als Journalistin berichtet. An Bord haben sie einen Brief, der allerdings wegen widriger Umstände seinen Empfänger nicht erreicht. Die Geschichte spinnt sich weiter bis zur Jetztzeit, in der US-Senator George Mitchell in Belfast über den Frieden in Nordirland verhandelt - und der jahrzehntealte Brief doch noch in die richtigen Hände kommt.

"McCann ist ein ernstzunehmender Autor und erzählt nicht nur eine Geschichte, sondern beschreibt, wie Menschen in den Strudel der Ereignisse geraten. Ein toller, sehr dicht geschriebener Roman."

Thomas Meyer: "Rechnung über meine Dukaten"

König Friedrich Wilhelm I. von Preußen hat sich eine Leibgarde aus lauter riesigen Männern in den Kopf gesetzt. Deshalb klaut er sich überall seine "langen Kerls" zusammen:

Er kauft sie oder tauscht sie gegen Wertgegenstände ein. Manche lässt er auch entführen, so wie den jungen Bauern Gerlach, der eines Tages nach Potsdam verschleppt wird. Hier lernt er die ebenfalls sehr groß gewachsene Bäckerstochter Betje lieben, doch die beiden verlieren sich - um sich unter höchst bemerkenswerten Umständen wiederzufinden.

"Meyer schildert Friedrich Wilhelm als Monarchen, für den die Welt ein Sandkasten zum Spielen ist. Das Buch ist sehr witzig und amüsant geschrieben, es erinnert an die Schelmenromane des 19. Jahrhunderts."

Ian McEwan: "Kindeswohl"

Familienrichterin Fiona Maye fällt aus allen Wolken, als ihr Mann ihr eröffnet, eine Affäre anfangen zu wollen.

Zugleich bekommt sie an ihrem Arbeitsplatz am Londoner High Court den wohl schwierigsten Fall ihrer Laufbahn auf den Schreibtisch: Es geht um einen 17-jährigen leukämiekranken Jungen, dem seine Religion eine medizinische Behandlung verbietet - doch darauf zu verzichten, würde seinen Tod bedeuten...

"In diesem kleinen, feinen Roman ist man als Leser sofort drin und überlegt oft: Was würde ich in dieser Situation tun?"
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