Buchtipps von Ralf Volkert und Irene Martin - mal herrlich amüsant, mal tiefgründig
Morde, Liebe und ein Hund

Von den USA bis Israel, vom alternden Bürgermeister bis zum jugendlichen Brandstifter: Ralf Volkert und Irene Martin von der Buchhandlung Volkert in Sulzbach-Rosenberg haben für die Vorweihnachtszeit eine breite Palette an Lesestoff zu empfehlen.

The Bodleian Library: Leitfaden für britische Soldaten in Deutschland 1944

Es war eine Maßnahme, um die Sicherheit der britischen Soldaten zu gewährleisten, ein Gebot der Fairness und zugleich eine Art Gebrauchsanweisung für das "merkwürdige" deutsche Volk: Dieses Buch steckte im Tornister eines jeden britischen Armeeangehörigen, der 1944 zum Einsatz nach Deutschland kam. Das Außenministerium bereitete seine Soldaten auf diese Weise auf den Kontakt zur deutschen Zivilbevölkerung vor - was sie essen und trinken, welchen Sport sie lieben, was ihre Kultur und Geschichte ausmacht.

"Dieses Kleinod auf Deutsch und Englisch in einem Band mutet ein wenig antiquiert an, ist aber eine sehr erhellende Lektüre, wie die Briten uns sahen und teilweise immer noch sehen. Sehr unterhaltsam."

Karsten Krampitz: "Wasserstand und Tauchtiefe"

Mark Labitzkes Vater ist ein Pflegefall und auf die Hilfe seines Sohnes angewiesen. Mark Labitzke ist ein etwas verbummelter Mittvierziger und auf die Rente seines Vaters angewiesen. Die beiden haben sich auf Kosten der Krankenkasse in einem Brandenburger Pflegeheim eingemietet, und oft fährt Mark seinen Vater im Rollstuhl draußen spazieren. Dabei erinnert er sich an früher: an die SED-Zeit, als Labitzke senior Bürgermeister war, an sein eigenes Leben - und erzählt diese Geschichten seinem Vater. Denn jetzt kann dieser nach mehreren Schlaganfällen nicht mehr sprechen. Jetzt muss er zuhören.

"Ein Heimatroman über Brandenburg und ein sehr aktueller Roman über den Pflegenotstand. Die leichte, lakonische Erzählweise macht das Buch trotz aller Trostlosigkeit sehr amüsant zu lesen."

Meir Shalev: "Zwei Bärinnen"

Eifersucht, Liebe, Mord, Rache... Über all das beginnt die Lehrerin Ruta Tavori zu erzählen, als eine Historikerin in ihrem israelischen Heimatdorf auftaucht und sie nach ihren Erinnerungen fragt. Sie erzählt von drei Selbstmorden, die vor vielen Jahren im Dorf geschahen und von denen nur zwei tatsächlich Selbstmorde waren. Sie erzählt von ihrem Großvater, der den Liebhaber ihrer Großmutter erschoss und das gemeinsame Kind der beiden verhungern ließ.

"Dieser tolle Roman führt den Leser von den 30er Jahren bis ins neue Jahrtausend. Er setzt sich aus vielen kleinen Anekdoten zu einem Erzählstrang zusammen, ohne auf politische Hintergründe einzugehen."

Nic Pizzolatto: "Galveston"

Das Leben des Profi-Killers Ray Cady nimmt eine plötzliche Wendung: Vormittags erfährt er, dass er an Lungenkrebs leidet, abends will ihn der Boss seines Gangster-Syndikats wegen einer Eifersuchts-Geschichte über die Klinge springen lassen. Doch er entkommt der Falle und flüchtet mit einer jungen Prostituierten von New Orleans in die texanische Hafenstadt Galveston. Doch aus dem organisierten Verbrechen gibt es so leicht kein Entkommen...

"In diesem harten Krimi tut jemand, was getan werden muss. Das Buch ist eine Hommage an den "Krimi Noir", aber mit vielen Zwischentönen und sehr gut gezeichneten Charakteren."

Fredrik Backman: "Ein Mann namens Ove"

Ove ist ein Kotzbrocken. Ein ekelhafter Nachbar, der seinesgleichen sucht. Kontrollrunden im Viertel, Falschparker aufschreiben, die Mülltrennung der Nachbarschaft überprüfen... Das ist nur der Anfang seines täglichen Programms. Doch hinter seiner bärbeißigen Art steckt ein großer Kummer über den Tod seiner geliebten Frau Sonja und der feste Plan, sich das Leben zu nehmen. Als direkt neben Ove eine etwas chaotische junge Familie einzieht, die gleich als erstes Oves Briefkasten umnietet, soll sich sein Leben komplett verändern.

"Oves Geschichte ist ein wunderbarer, warmherziger, toller und witziger Roman, der einfach Spaß macht."

Sabrina Janesch: "Tango für einen Hund"

Ernesto soll ein Haus abgefackelt haben und wird dafür zu Sozialstunden verdonnert. Doch plötzlich steht sein Onkel Alfonso aus Argentinien vor der Tür - mit einem riesigen Rassekläffer, der auf den Namen "Astor Garcilaso de la Luz y Parra" hört und dringend zu einer Hundeausstellung nach Bad Diepenhövel gebracht werden muss. Also knacken Ernesto und Alfonso ein Auto, verfrachten den Hund hinein und machen sich auf einen verwegenen, schrägen Roadtrip.

"Rotzfrech, schlagfertig und clever. Ernesto ist ein sympathischer Protagonist, der in typischem Jugendslang erzählt. Ein tolles Buch zum Thema "Wo ist mein Platz im Leben?" und wunderbar für alle, die "Tschick" gemocht haben."
Weitere Beiträge zu den Themen: Lea (13792)November 2014 (8194)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.