Bürgermeister ist sauer wegen Vergabe der Gartenschau an die Stadt Selb
Geschenk ein Schlag ins Gesicht

Die Überzeugungsarbeit bei Horst Seehofer hat wohl mitgeholfen, dass Tirschenreuth und Franz Stahl die Gartenschau bekommen haben. Bei den Finanzen war der Bayerische Ministerpräsident damals jedoch noch nicht so spendabel wie im Fall der Porzellanstadt Selb. Dort gibt es 2023 eine Sonder-Gartenschau zum Nulltarif für die Kommune. Bild: tr
Tirschenreuth. (ws) Nein, Futterneid will sich Franz Stahl nicht nachsagen lassen. Aber eine "Sonder-Gartenschau", wie sie der Stadt Selb praktisch geschenkt wird, stößt dem Tirschenreuther Bürgermeister sauer auf.

"Wir haben für den Zuschlag gekämpft", erinnert Stahl an den Weg zur "Natur in der Stadt 2013". Dass Selb "eine Gartenschau ohne Ausschreibung geschenkt bekommt", ist für Stahl "eine nicht hinzunehmende Aktion". Dabei stellt der Bürgermeister vor allem den wesentlichen Unterschied zur Gartenschau heraus: Nämlich "dass Selb als ausrichtende Stadt keinen Eigenanteil leisten muss".

Wie eine Gartenschau

So jedenfalls hat es die "Frankenpost" in der gestrigen Ausgabe vermeldet. Die Aktion in der Porzellanstadt freilich wird aus München als "Bayerisch-tschechische Freundschaftswochen" etikettiert. Und ist auch ein Versprechen von "ganz oben". Vor einem Jahr schon hatte Ministerpräsident Horst Seehofer der strukturschwachen Region dieses "Sonderformat der Gartenschau" zugesichert. 2023 soll das grenzüberschreitende Regionalfest die Beziehung vertiefen, hat Umweltministerin Ulrike Scharf die Vergabe begründet. In einer Mitteilung aus dem Ministerium lesen sich die Freundschaftswochen durchaus wie eine Gartenschau: Die Dauer von 12 Wochen, eine Fülle von Kulturveranstaltungen und natürlich die baulichen Maßnahmen zur Stadtentwicklung. Und das alles soll in Selb ohne Eigenanteil der Stadt passieren.

Für Franz Stahl ist gerade der letzte Punkt "ein Schlag ins Gesicht" der Städte, die bislang viel Mühe, Begeisterung und natürlich auch Geld investiert haben, um für ihren Ort den Zuschlag zu bekommen. Tirschenreuth hat erst im dritten Anlauf die Vergabejury für sich gewonnen. Künftig könne das einfach pauschal vergeben werden, sollte die Stadt mit Strukturschwäche argumentieren, fürchtet Franz Stahl. Das will er so nicht hinnehmen - und schreibt dies auch nach München an Dagmar Voß, die Geschäftsführerin der Bayerischen Gartenschauen.

Schönes Erlebnis

Die damalige Zusage, erinnert sich Stahl, sei für ihn eines der schönsten Erlebnisse in seiner politischen Laufbahn gewesen. Und das erfolgreiche Fazit nach der "Natur in Tirschenreuth 2013" hätte auch die vielen Bemühungen belohnt. Dabei gehörte zu den Hürden auch die Finanzierung des Eigenanteils der Stadt. Immerhin rund 8,5 Millionen Euro hat Tirschenreuth aus der eigenen Kasse stemmen müssen. Selb muss über diesen Punkt nicht nachdenken.
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