Bundesamt will Prognose aber vorerst nicht ändern - Zahl von 500 000 "unrealistisch"
Länder erwarten mehr Flüchtlinge

Trotz starker Zweifel der Länder an der Prognose für die Asylbewerberzahlen in diesem Jahr hält das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge an seinen Zahlen fest. Die Nürnberger Behörde geht für 2015 von rund 300 000 neuen Asylanträgen in Deutschland aus. Einige Länder erwarten deutlich mehr - von bis zu einer halben Million Neuankömmlingen ist die Rede. "Die genannten 500 000 halte ich für unrealistisch", sagte Behördenchef Manfred Schmidt.

Die betreffenden Länder hätten die Zahl der Asylantragsteller aus dem Januar und Februar "mit einem explosionsartigen Zugang aus dem Kosovo" genommen und auf das Jahr hochgerechnet. Dabei lasse man aber völlig außer Acht, dass die Zahl der Kosovo-Flüchtlinge bereits stark gesunken sei. "Anfang Februar hatten wir etwa 1500 Kosovaren täglich, die nach Deutschland gekommen sind. Und jetzt sind wir bei um die 100 am Tag", sagte Schmidt.

Mehrere Länder berichten hingegen von hohen Flüchtlingszahlen auch im März. So kamen etwa 1056 nach Schleswig-Holstein - dreimal so viele wie im Vorjahresmonat. In Brandenburg kamen in den ersten drei Monaten 2812 Asylbewerber ins Land, ebenfalls dreimal so viele wie im Vergleichszeitraum 2014. Ähnlich steil verlief die Entwicklung in Bremen. In Hamburg betrug der Anstieg zum Vorjahresquartal 124 Prozent. In den anderen Ländern fehlen die März-Zahlen noch.

Schmidt forderte, notwendig sei nun auch deutlich mehr Personal in den Ausländerbehörden der Länder. "Denn was nutzt es, wenn ich zigtausend Asylverfahren entscheide, dann aber nicht zeitnah ein Aufenthaltstitel und die Arbeitsgenehmigung vergeben werden können." Genauso müssten abgelehnte Asylbewerber schnell abgeschoben werden. Die Bundesbehörde hatte zuletzt 650 neue Stellen dazu bekommen.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, äußerte Bedenken gegen den Vorschlag von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), Auffanglager für Flüchtlinge in Nordafrika einzurichten. "Ich kann bisher nicht sehen, wie das funktionieren soll, ohne dass die Rechtsstandards abgesenkt werden", sagte der 55-Jährige der Deutschen Presse-Agentur in München.
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