Bundesgesundheitsministerium verteidigt Einsatz von angelernten Helfern
Zeitung: Zu wenig Profis in der Altenpflege

Verschlechtert sich die Qualität der Pflege in Deutschland? Das fürchten zumindest Berufsverbände und die Opposition im Bundestag. Archivbild: dpa
In Altenheimen droht der "Welt am Sonntag" zufolge die Qualität der Pflege zu sinken, weil vielfach sogenannte Betreuungs-Assistenten anstelle ausgebildeter Pfleger eingesetzt werden. Die Helfer müssten aber oft gesetzeswidrig Pflege-Aufgaben übernehmen, etwa Bewohner waschen oder lagern, Medikamente verabreichen oder das Essen reichen, berichtete die Zeitung. Dies berge Experten zufolge Risiken für die Pflegebedürftigen, die sich verschlucken, stürzen oder Druckgeschwüre entwickeln könnten.

Seit Anfang dieses Jahres können Heimbetreiber von den Pflegekassen Lohnzuschüsse für die Betreuungs-Assistenten für alle Heimbewohner beantragen. Durch die neue Gesetzesregelung wird sich die Zahl der angelernten Helfer nach Erwartung der Bundesregierung auf rund 45 000 nahezu verdoppeln. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe und der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (beide CDU), bewerten dies als Verbesserung der Situation in der Pflege.

Berufsverbände und Oppositionspolitiker dagegen werfen der Bundesregierung vor, mit dem Ausbau des Modells Betreuungs-Assistent eine Deprofessionalisierung der stationären Altenpflege in Kauf zu nehmen. Der Fachkräftemangel in der Altenpflege in Kombination mit den nun verfügbaren billigen Helfern lade Heimbetreiber dazu ein, die Betreuungs-Assistenten in der Pflege einzusetzen, sagte Johanna Knüppel vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe: "Anstatt die Pflegefachkräfte in den Heimen tatsächlich zu entlasten, wird die Versorgung auf immer mehr pflegerische Laien übertragen." So werde die durch Fachkräftemangel entstandene pflegerische Unterversorgung in vielen Heimen kaschiert. Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums erklärte am Sonntag in Berlin: "Zusätzliche Betreuungskräfte können die Arbeit qualifizierter Pflegefachkräfte nicht ersetzen, sie können diese aber entlasten, damit den Fachkräften mehr Zeit für die eigentlichen Pflegeaufgaben bleibt." (Kommentar)
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