Bundeskanzlerin Merkel wirbt in Flüchtlingskrise um Kooperation der Türkei
Aussicht auf Geld und Visa

Für Unterstützung in der Flüchtlingskrise hat Kanzlerin Angela Merkel der Türkei finanzielle Hilfen und eine erleichterte Einreise ihrer Bürger in die EU in Aussicht gestellt. Im Gegenzug erwarte sie von Ankara eine schnellere Einführung des Rückübernahmeabkommens, sagte die CDU-Vorsitzende am Sonntag nach einem Treffen mit dem türkischen Regierungschef Ahmet Davutoglu in Istanbul. Nach Gesprächen mit Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan zeigte sie sich optimistisch, dass eine Lastenteilung in der Flüchtlingskrise erreicht werden könne. Die Gespräche seien "sinnvoll" und "erfolgreich" gewesen. Das gemeinsame Ziel sei die Steuerung der Migration, hieß es dazu aus deutschen Delegationskreisen. Vereinbart worden sei ein gemeinsamer Prozess der Türkei, Deutschlands und der EU. Merkel sagte, die Türkei habe bislang wenig Unterstützung bekommen für ihre große Leistung. "Deshalb werden wir uns finanziell stärker engagieren." Sie verstehe, dass die Türkei zusätzliches Geld möchte.

Davutoglu würdigte die "mutige Vorgehensweise" Merkels in der Flüchtlingsfrage. "Damit kann kein einziges Land alleine fertig werden." Bislang sei die Türkei im Stich gelassen worden. Wichtig sei, dass nun bei der Lastenteilung ein gemeinsamer Wille gezeigt werde. Merkel sagte, man müsse auch überlegen: "Welche Möglichkeiten der legalen Migration kann man schaffen?" Merkel bot an, "den beschleunigten Visaprozess zu unterstützen". Türkische Bürger brauchen für die Einreise in den Schengen-Raum bisher in der Regel ein Visum. Die EU und die Türkei hatten Ende 2013 einen "Dialog zur Visa-Liberalisierung" initiiert. Für eine Beschleunigung soll die Türkei im Gegenzug illegal in die EU eingereiste Menschen wieder aufnehmen. Die Kanzlerin sprach sich zudem für die Eröffnung weiterer Kapitel im EU-Beitrittsprozess der Türkei aus.
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