Bundeswehr lieferte Daten für "Tötungslisten"

Die US-Drohnen-Angriffe auf Terroristen und feindliche Kämpfer sind umstritten. In Afghanistan konnten die Amerikaner dafür auch auf Daten der Bundeswehr zurückgreifen. Ein Ex-Nato-General sieht darin kein Problem - die Opposition spricht von "Beihilfe zum Mord".

Deutschland hat im Afghanistan-Krieg Informationen gesammelt, die für eine gezielte Tötung von Taliban-Kämpfern genutzt werden konnten. Die Bundeswehr habe an der Zielerfassung mitgearbeitet, nachdem die Bundesregierung im Februar 2010 den Einsatz als kriegerische Auseinandersetzung eingestuft habe, sagte der frühere Befehlshaber in der für Afghanistan zuständigen Nato-Kommandozentrale, General Egon Ramms, am Dienstag.

Es habe "Tötungslisten" gegeben, die nicht nur von den USA und Großbritannien allein erarbeitet worden seien. Ramms: "Sie können sie auch als Nato-Listen bezeichnen, weil sie also auf den verschiedenen Ebenen der Regionalkommandos in Afghanistan und auch im Isaf-Hauptquartier entsprechend erarbeitet worden sind." Die Opposition im Bundestag reagierte empört. Die Linke warf der Bundeswehr Beihilfe zum Mord vor. Die Grünen forderten schnelle Aufklärung. Das Verteidigungsministerium bestätigte, dass die Bundeswehr an der Erstellung entsprechender Listen mitgewirkt habe. Es habe aber nie eine Empfehlung zur Tötung, sondern lediglich zur "Festsetzung" dieser Personen gegeben. Allerdings habe die Bundeswehr keinen Einfluss darauf, wie andere Bündnispartner damit umgehen. Der "Spiegel" berichtete am Wochenende über Todeslisten mit bis zu 750 Namen.

Ramms wies darauf hin, dass seit 2002 auch Spezialkräfte der Bundeswehr im Süden des Landes eingesetzt wurden. Unter anderem seien sie in der Taliban-Hochburg Kandahar gewesen, wo die schwersten Kämpfe des Afghanistan-Krieges stattfanden. "Sie haben dort im Raum Kandahar, das kann ich glaubhaft versichern, bestimmt keine Blümchen gepflückt", betonte Ramms.

Linken-Außenpolitiker Jan van Aken nannte die gezielte Tötung Verdächtiger Mord. "Die Meldung von Namen oder Telefonnummern an die Nato-Todeslisten muss als Beihilfe zum Mord rückhaltlos aufgeklärt und strafrechtlich verfolgt werden."
Weitere Beiträge zu den Themen: Weltgeschehen (20753)12-2014 (6638)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.