Bundesweite Protestkundgebungen an Kliniken - auch in der Region
Proteste und Pfeifkonzerte

Die Demonstranten in Weiden symbolisieren mit Nummerntafeln die 162 000 fehlenden Beschäftigten im Gesundheitswesen. Bild: Hartl
Weiden/Amberg. (blu) 1100 in Regensburg, 700 in Amberg, 450 in Weiden, 100 in Schwandorf: Tausende Pfleger und Ärzte legten am Dienstagmittag aus Protest gegen die Personalausstattung die Arbeit nieder. Die Mitarbeiter setzten ein lautstarkes Signal.

"Es reicht", ruft die Gewerkschaftlerin Manuela Dietz vor dem Weidener Klinikum. Ärzte und Pfleger antworten mit einem wütendem Pfeifkonzert. Die 450 Streikenden der Kliniken Nordoberpfalz AG demonstrieren gegen einen neuen Gesetzesentwurf. Zusammen mit der Klinikleitung nehmen sie teil an der "bundesweit größten Protestaktion des Gesundheitswesens", wie die Gewerkschaft Verdi berichtet. Für Josef Götz, Vorstand der Kliniken Nordoberpfalz AG, ist das ein klares Zeichen.

"Wenn Arbeitnehmer und Arbeitgeber gemeinsam auf die Straße gehen, ist es bereits 5 nach 12", ruft er. Den neuen Entwurf zum Krankenhausstrukturgesetz bezeichnet er als "Mogelpackung", wenn darin von besserer Qualität und einem Milliardengeldfluss stehe. Das sei "Hohn" angesichts der tatsächlichen massiven Mittelkürzungen, die dadurch bevorstünden. Durch das Gesetz würden auf den Klinikverbund zusätzliche Kosten von 500 000 Euro zukommen, rechnet er vor. Das würde direkt zu Personalabbau führen.

Nur noch Katzenwäsche

Nach einer Erhebung von Verdi fehlen bereits 162 000 Beschäftigte an deutschen Krankenhäusern. In Bayern seien es 21 000. Svenja Stark (24) kann das bestätigen, sie arbeitet im Pflegedienst der Intensivstation. Sehr viel Zeit gehe für die Dokumentation ihrer Arbeitsschritte drauf. Nur "das Nötigste" könne sie noch machen. Für viele Patienten sei da nur noch eine "Katzenwäsche" drin.

Das neue Gesetzessystem bezeichnet Götz als noch schlimmeres "Bürokratiemonster". Die Patienten wünschten sich jedoch keine bessere Abrechnung, sondern mehr Zuwendung. Besonders ältere Menschen blieben bei der Versorgung oft auf der Strecke. Mit der Gewerkschaft und den Demonstranten fordert er eine Qualitätsdiskussion, "die sich an den Bedürfnissen der Patienten orientiert und nicht an Finanzinteressen der Krankenkassen".
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.