Christen müssen solidarisch gegenüber "Brüdern und Schwestern" sein
Marx: Pfarreien sollen Flüchtlingen helfen

Wir als Kirche wollen unseren Beitrag leisten. Wir haben unsere Pfarreien angeschrieben, um auch Wohnraum zu schaffen.

Kardinal Reinhard Marx hat die Pfarreien aufgefordert, mehr für die Flüchtlinge zu tun. Innenminister Thomas de Maizière will andere europäische Staaten künftig stärker in die Pflicht nehmen. Und Bayern erhöht die Zahl der Sozialarbeiter in den Erstaufnahme-Einrichtungen von derzeit 18 auf 60.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat zu mehr Hilfe für Flüchtlinge aus dem Nahen Osten aufgerufen. "Wahrscheinlich ist die Situation so, dass wir alle miteinander in dieser Gesellschaft mehr tun müssen und uns darauf vorbereiten müssen, dass noch mehr Flüchtlinge kommen", sagte er am Montag in Fulda zum Auftakt der Herbstvollversammlung der katholischen Bischöfe.

"Wir als Kirche wollen unseren Beitrag leisten. Wir haben unsere Pfarreien angeschrieben, um auch Wohnraum zu schaffen." Mit Blick auf die verfolgten Christen etwa im Irak sagte Marx: "Wir wollen deutlich unterstreichen, dass wir als Christen solidarisch sind mit unseren Brüdern und Schwestern, die in einer Weise verfolgt werden, wie es - so sagen Augenzeugen - seit 1800 Jahren nicht denkbar gewesen ist." Das Problem betreffe aber auch weitere Religionsgemeinschaften und Minderheiten.

Die Bundesregierung will europäische Staaten in die Pflicht nehmen, die von dem großen Flüchtlingsandrang noch kaum betroffen sind. Ein Sprecher des Innenministeriums kritisierte am Montag, dass "überhaupt nur 10 von 28 EU-Staaten Flüchtlinge in nennenswertem Umfang aufnehmen". Dies müsse verbessert werden. Seit Anfang des Jahres sind rund 100 000 Asylbewerber nach Deutschland gekommen - das sind fast 60 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2013. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, das deutsche Asylrecht könne zwar nicht alle Probleme der Welt lösen. "Wir können aber auch nicht so tun, als ginge uns das nichts an."

Die EU-Kommission zeigte Verständnis für die deutschen Forderungen. Lediglich fünf Länder würden etwa 75 Prozent der Flüchtlinge aufnehmen, sagte der Sprecher der EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström. Allerdings könne die EU die Staaten nicht zur mehr Engagement zwingen, so der Sprecher weiter.

Nach hartnäckigem Drängen der Sozialverbände baut die bayerische Staatsregierung die Asylsozialberatung in den Erstaufnahme-Einrichtungen für Flüchtlinge aus. Künftig soll sichergestellt werden, dass ein Berater für höchstens 100 Flüchtlinge zuständig ist. Bereits bis Jahresende soll die Zahl der Sozialarbeiter von derzeit 18 auf 60 erhöht werden. Dafür stellt die Regierung rund 2,3 Millionen Euro zusätzlich bereit. Die Sozialverbände sind damit nicht zufrieden, weil der Beschluss nur für die beiden Erstaufnahme-Einrichtungen gelte.
Weitere Beiträge zu den Themen: Weltgeschehen (20753)September 2014 (8409)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.