Christsoziale lassen nicht am bayerischen Bestattungsrecht rütteln - Sargpflicht soll bleiben
Asche Verstorbener nicht verstreuen

Das strenge bayerische Bestattungsgesetz wird vorerst nicht liberalisiert. Im Innenausschuss des Landtags stimmte die CSU mit ihrer Mehrheit gegen zwei Vorlagen von SPD und Grünen zur Änderung der Bestattungsvorschriften. Die SPD hatte vorgeschlagen, auch das Verstreuen der Asche Verstorbener an dafür zugelassenen Orten innerhalb und außerhalb von Friedhöfen zuzulassen. Die Grünen plädierten für eine Aufhebung der Sargpflicht, wie sie im Sommer bei einer Expertenanhörung im Landtag mehrheitlich befürwortet worden war. Damit soll unter anderem Muslimen eine Bestattung in Tüchern ermöglicht werden. Der SPD-Abgeordnete Peter Paul Gantzer betonte, der Vorschlag seiner Fraktion liege "nicht außerhalb des sittlichen Empfindens" und sei zum Beispiel in Bremen längst Praxis. Man wolle auf Wunsch des Verstorbenen das Verstreuen seiner Asche auf eigens dafür vorgesehenen Flächen auf Friedhöfen oder von Gemeinden dafür ausgewiesenen Flächen ermöglichen. Es widerspreche dem "postmortalen Persönlichkeitsrecht", wenn einem Verstorbenen dieser letzte Wille verweigert werde. Man stelle das Bestattungsrecht damit nicht auf den Kopf, sondern ermögliche nur eine weitere Bestattungsform. Für Jürgen Mistol (Grüne) sind die Bedenken gegen eine Abschaffung der Sargpflicht durch die Expertenanhörung ausgeräumt. Er sah darin einen Schritt hin zur religiösen Gleichberechtigung bei Bestattungsriten. Dagegen erklärte Ludwig von Lerchenfeld (CSU), mit dem gesetzlichen Bestattungszwang werde die Totenwürde sichergestellt. Ein bloßes Verstreuen der Asche sei keine Bestattung, sondern "Entsorgung". Auch für die Aufhebung der Sargpflicht sah er keinen Anlass. Auf Antrag sei es schon heute möglich, in Bayern eine Bestattung nach islamischem Ritus durchzuführen. Die Freien Wähler stimmten den Änderungsvorschlägen zu. Eine Anpassung des Bestattungsrechts an veränderte gesellschaftliche Begebenheiten sei längst fällig, meinte deren Abgeordneter Joachim Hanisch.
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