Copilot lenkt Flugzeug absichtlich auf Kurs in den Tod

Das von Airbus veröffentlichte Bild zeigt den Blick in einen A320-Cockpitsimulator. Hier üben Piloten und Copiloten, um besser auf Gefahrensituationen zu reagieren. Das Training half dem Piloten der abgestürzten Germanwings-Maschine nichts. Er war vom Copiloten ausgesperrt worden. Bild: Airbus/dpa

Es ist die Horrorvision der Luftfahrt, die Piloten und Passagiere in ihrem Entsetzen eint. Denn wenn der Feind von innen kommt, helfen auch Sicherheitssysteme nicht. Der Stimmenrekorder enthüllt: Der Copilot steuerte die Germanwings-Maschine in die Katastrophe.

Der Copilot der über Frankreich abgestürzten Germanwings-Maschine hat den Airbus mit 150 Menschen an Bord wohl mit Absicht auf Todeskurs gebracht. "Es sieht so aus, als ob der Copilot das Flugzeug vorsätzlich zum Absturz gebracht und so zerstört hat", sagte Staatsanwalt Brice Robin am Donnerstag in Marseille.

Der 27-Jährige sei zu dem Zeitpunkt allein im Cockpit gewesen. Der Pilot war offensichtlich aus der Kabine ausgesperrt. Warum der Mann die Maschine in die Katastrophe steuerte, ist unklar. Hinweise auf einen Terrorakt gibt es laut Ermittlern und Bundesinnenministerium nicht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nannte die Ereignisse eine Tragödie von schier unfassbarer Dimension: "So etwas geht über jedes Vorstellungsvermögen hinaus." Lufthansa-Chef Carsten Spohr sprach in Köln vom "furchtbarsten Ereignis in unserer Unternehmensgeschichte". Germanwings ist ein Tochterunternehmen des Konzerns.

Die Ermittler hatten seit Mittwoch die Aufnahmen eines geborgenen Stimmenrekorders ausgewertet. Der Pilot hatte nach den Erkenntnissen das Cockpit verlassen, um auf die Toilette zu gehen, und das Kommando seinem Kollegen übergeben. Als er zurück ans Steuer wollte, habe er die automatisch verriegelte Kabinentür nicht mehr öffnen können, sagte der Staatsanwalt. Die plausibelste Deutung gehe dahin, dass der Copilot vorsätzlich das Öffnen der Tür verhindert habe. Als Konsequenz aus dem Absturz wollen die größten deutschen Fluggesellschaften nun die Zwei-Personen-Regel im Cockpit einführen. Künftig soll sich kein Pilot während des Fluges mehr allein im Cockpit aufhalten dürfen, wie Matthias von Randow, der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft am Donnerstagabend sagte. Obwohl der Stimmenrekorder bis zuletzt schweres Atmen im Cockpit aufgezeichnet habe, der Mann also am Leben war, habe er auf Ansprache des Towers nicht reagiert. Ein Notruf sei nicht abgesetzt worden. Bevor der A320 zerschellte, zeichnete der Rekorder auf, wie der ausgesperrte Kapitän und die Crew von außen gegen die Cockpit-Tür hämmern.

100 Prozent flugtauglich

Lufthansa-Chef Spohr sagte, dem Piloten selbst sei kein Fehlverhalten vorzuwerfen, er habe "vorbildlich gehandelt". Über den Copiloten sagte Spohr: "Er war 100 Prozent flugtauglich. Ohne jede Auffälligkeit." Die Luftaufsicht teilte mit, dass es bei den routinemäßigen Sicherheitsüberprüfungen des Copiloten keine Auffälligkeiten gab. Zuletzt sei ihm Ende Januar bescheinigt worden, dass gegen ihn keine strafrechtlichen oder extremistischen Sachverhalte vorliegen. Deutsche Ermittler durchsuchten auf Ersuchen der französischen Justiz zwei Wohnungen des 27-Jährigen, der aus Montabaur stammte. Dort und in einem Haus in Düsseldorf suchten sie nach Hinweisen auf ein Motiv oder Anzeichen für eine psychische Erkrankung. An der Absturzstelle bargen Rettungskräfte die ersten Opfer.
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