CSU denkt um: Bayern ein Einwanderungsland

Jahrzehnte kämpfte die CSU dafür, dass Deutschland kein Einwanderungsland sei. Dennoch leben inzwischen über zwei Millionen Menschen mit ausländischen Wurzeln in Bayern. Jetzt will die CSU den Freistaat zum Musterland der Integration machen.

Angesichts des anhaltenden Zuzugs nach Bayern plant die Staatsregierung ein neues Integrationskonzept. Schwerpunkt sollen das Miteinander und die gegenseitige Wertschätzung von Alteingesessenen und Einwanderern werden. Mit annähernd 400 000 dauerhaften Zuwanderern im Jahr liege Deutschland inzwischen weltweit auf Platz zwei hinter den USA, sagte Sozialministerin Emilia Müller (CSU) am Montag zum Auftakt einer Integrationskonferenz in München.

"Damit hat Deutschland die klassischen Einwanderungsländer wie Kanada und Australien hinter sich gelassen." Bayern sei unter den 16 Bundesländern das beliebteste "Zielland", erklärte Müller. Die Staatsregierung wolle eine "Kultur des Miteinanders" und eine "Kultur der Wertschätzung", sagte die Sozialministerin. "Viele Menschen mit ausländischen Wurzeln sind in unserem Land heute Leistungsträger." Auf der anderen Seite sollten die Zuwanderer "offen für Bayern" sein. Müller betonte, dass es bei der Integration in Bayern schon heute beachtliche Erfolge gebe. So seien Zuwanderer in Bayern seltener arbeitslos als Zuwanderer im Bundesdurchschnitt. Die Erwerbsquote von Migranten in Bayern liege bei 75 Prozent, im Bundesdurchschnitt bei 70 Prozent.

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) meinte: "Integration von ausländischen Mitbürgern und Zuwanderern muss gelingen, wenn unsere Gesellschaft weiter zusammenhalten soll." Herrmann will mehr Zuwanderer für den öffentlichen Dienst und die Blaulichtorganisationen gewinnen - Polizei, Rettungsdienste und Feuerwehr. "Wir könnten da noch viel mehr tun", sagte er. Die heutige Tonlage der CSU-Politiker unterscheidet sich beträchtlich von dem Integrationskonzept, das die CSU auf ihrem Parteitag 2010 beschlossen hatte. Darin hatte es geheißen, dass Deutschland kein klassisches Zuwanderungsland sei und Einwanderer sich in die deutsche Leitkultur integrieren sollten.

SPD und Grüne halten der Staatsregierung aber vor, es fehle trotz schöner Worte an den Taten. "Irgendwann muss Schluss sein mit reden, tagen und diskutieren", sagte der SPD-Abgeordnete Arif Tasdelen. Skeptisch sind auch die Grünen: "Es scheitert schon an der Willkommenskultur", kritisierte die Abgeordnete Christine Kamm. (Kommentar)
Weitere Beiträge zu den Themen: Weltgeschehen (20753)November 2014 (8193)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.