Dänemark macht die Grenzen für Züge dicht

Bei Kliplev machten sich zahlreiche Flüchtlinge zu Fuß auf der dänischen Autobahn E 45 in Richtung Norden auf. Rund 3000 Flüchtlinge sind inzwischen in Dänemark gestrandet, wollen sich dort aber nicht registrieren lassen, sondern weiter nach Schweden. Viele weigerten sich, die Züge nach Schweden zu verlassen. Deshalb stellte die dänische Bahn schließlich den Zugverkehr nach Deutschland ein. Bild: dpa

Zwischen Dänemark und Deutschland fährt kein Zug mehr - wegen Hunderter Flüchtlinge. EU-Kommissionschef Juncker findet in Straßburg deutliche Worte: "Es fehlt an Union in dieser Europäischen Union."

Mit der Einstellung des Zugverkehrs zwischen Deutschland und Dänemark auf unbestimmte Zeit hat die Flüchtlingskrise in der EU eine neue Dimension. Nur wenige Stunden zuvor hatte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker die Europäer zur Einigkeit ermahnt. "Es fehlt an Europa in dieser Europäischen Union und es fehlt an Union in dieser Europäischen Union", sagte Juncker am Mittwoch im Europäischen Parlament.

Die dänische Bahn stoppte den Zugverkehr nach Deutschland auf Anweisung der Polizei, wie ein Sprecher der Bahngesellschaft DSB sagte. Gleiches gelte auch für Züge, die auf der Fähre zwischen Fehmarn und Rødby auf der Insel Lolland transportiert würden. In den vergangenen Tagen waren mehr als 3000 Flüchtlinge über die Grenze nach Dänemark gelangt. Viele der Ankömmlinge in Rødby auf der Insel Lolland weigerten sich, aus dem Zug auszusteigen. Sie wollten per Zug oder zu Fuß weiter nach Schweden. Wer sich nicht in Dänemark als Asylbewerber registrieren lässt, muss damit rechnen, nach Deutschland zurückgeschickt zu werden. Die neue dänische Regierung fährt eine harte Linie in der Flüchtlingspolitik.

Juncker sagte in Straßburg, die EU-Staaten hätten die Mittel und Möglichkeiten dazu, um Menschen zu helfen, die auf der Flucht vor Krieg, Terror und Unterdrückung seien. Es sei "eine Frage der Menschlichkeit und der menschlichen Würde". Es sei jetzt nicht die Zeit, sich Ängsten hinzugeben. "Es ist vielmehr an der Zeit für mutiges, entschlossenes und gemeinsames Handeln."

Am kommenden Montag müssten bei einem Sondertreffen der Innenminister Entscheidungen getroffen werden - dabei geht es um eine faire Verteilung schutzbedürftiger Flüchtlinge. Die Vorschläge Junckers sehen eine Notumsiedlung von insgesamt rund 160 000 Flüchtlingen innerhalb der EU vor. Griechenland, Ungarn und Italien könnten mit der Last nicht alleingelassen werden.

Im Bundestag warnte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die EU-Partnerstaaten davor, mit einem Versagen in der Flüchtlingsfrage die Fundamente der Gemeinschaft zu beschädigen. "Wenn Europa in der Flüchtlingsfrage versagt, dann ginge ein entscheidender Gründungsimpuls eines geeinten Europas verloren. Nämlich die enge Verbindung mit den universellen Menschenrechten."

Der Zustrom von Flüchtlingen nach München hält weiter an. Am Mittwoch rechnete die Regierung von Oberbayern bis Mitternacht mit insgesamt 5500 Asylsuchenden. Seit Anfang September zählte die Landeshauptstadt damit rund 33 000 Neuankömmlinge. (Seite 7)
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