Daheim im Verein

Wilhelm Buchfelder war schon in vielen deutschen Städten unterwegs, lebte teilweise in ihnen: München, Hemau, Erding, Koblenz, Hammelburg - die Liste könnte noch länger sein. Doch am Ende war es nur eine, in die es den 67-Jährigen zog.

Grafenwöhr. (esc) Er ist Vorsitzender des Heimatvereins, war engagiert bei Kolping, trifft sich mit seinen Bekannten zum Zoigl oder Schafkopfspielen: Wilhelm Buchfelder ist in seiner Heimatstadt Grafenwöhr tief verwurzelt. "Hier bin ich geboren, hier bin ich aufgewachsen", sagt er.

In Grafenwöhr ist er daheim. Nicht weit entfernt von seinem Wohnhaus ist sein zweites Zuhause: das Kultur- und Militärmuseum, das vor kurzem Wiedereröffnung feierte (wir berichteten). Nur ein paar Meter sind die beiden Gebäude voneinander entfernt. Das kam ihm in den vergangenen Monaten zugute: Als Vorsitzender des Heimatvereins war er von Januar bis Oktober mehr im Museum als daheim.

Exponate wegräumen, archivieren, inventarisieren, Kisten schleppen - ja sogar ein ganzes Auto musste erst auseinander- und dann wieder zusammengebaut werden. Doch das alles wäre nicht ohne eine starke Mannschaft gegangen, wie er immer wieder betont. "Wir sind eine starke Truppe, alle helfen zusammen."

"Im Museum gewohnt"

Seit neun Jahren ist er Vorsitzender des Vereins. "Damals wollte ich eigentlich meinen Posten als zweiter Vorsitzender abgeben", erinnert sich der 67-Jährige. Zu dieser Zeit veränderte er sich beruflich Richtung Hammelburg. "Da hätte ich keine Zeit mehr für Organisatorisches gehabt." Weil sich im Januar 2006 bei der Generalversammlung kein neuer Vorsitzender gefunden hatte, erklärte er sich bereit, dieses Amt zu übernehmen. Seitdem zieht er die Fäden beim Heimatverein.

Als ziviler Angestellter der Bundeswehr kam er nach München, wo er mit seiner Frau drei Jahre lebte. Danach standen weitere berufliche Stationen an: Koblenz, Erding, Hemau und zuletzt Hammelburg. In der unterfränkischen Stadt arbeitete er die letzten beiden Jahre seines Berufslebens als Leiter der KfZ-Werkstatt der Bundeswehr. Davor war er 23 Jahre in seiner Heimatstadt bei der Bundeswehr im Dienstleistungszentrum beschäftigt.

Als er den Vorsitz des Heimatvereins übernommen hatte, "war mir klar, dass ich das Museum fertig machen wollte", erinnert er sich. "Mir war nur nicht klar, welche Arbeit auf mich zukommt", lacht er. Eine starke ehrenamtliche Mannschaft war und ist die Basis, auf die Buchfelder bauen kann. Thema der neuen Ausstellung ist "Heimat auf Zeit" und bezieht sich auf den Aufenthalt vieler amerikanischer Soldaten in Grafenwöhr. Deswegen sind die Exponate und Filme auf Deutsch und Englisch beschrieben.

Von Januar bis Oktober war sein Einsatz für das Museum "volle Kanne", wie er selbst sagt. "Da habe ich quasi im Museum gewohnt", lacht er. "Ich habe mehrere schlaflose Nächte hinter mir." Als "Ausgleich und zum Runterfahren" geht er seinen anderen Hobbys nach: Autos reparieren, Gartenarbeit oder Schafkopfspielen - Wilhelm Buchfelder ist immer unterwegs, immer unter Leuten. Jetzt, nach der Wiedereröffnung des Museums, "schlaf ich wieder gut".

Sein Beruf als KfZ-Meister ist mittlerweile zu seinem Hobby geworden, wie er sagt. Er schraubt gerne an Autos herum - deswegen ist auch der Jeep, der im ersten Stock des Museums steht, auch eines seiner Lieblingsstücke. Das Auto aus den 1940ern haben er und einige seiner Vereinskollegen aus Baden-Württemberg geholt, auseinandergeschraubt, hergerichtet, an seinen jetzigen Platz getragen und wieder zusammengebaut.

Weil er einer ist, der zupackt und lieber handwerkliche Arbeit erledigt, ist sein Arbeitsplatz im Museum nicht etwa der Schreibtisch, der im Büro steht. Er ist im Museum unterwegs und kümmert sich um die Exponate.

Pläne und Ideen

Warum er nach seiner Lehre zum KfZ-Mechaniker eine Laufbahn bei der Bundeswehr eingeschlagen hat? "Weil es in Grafenwöhr Stellen gab", erklärt er. "Egal wo ich auswärts war, ich wollte immer nach Grafenwöhr kommen. Hier habe ich meinen Freundeskreis, ein Haus und einen großen Garten, man kennt die Leute, hier bin ich groß geworden, hier habe ich meinen Stammtisch."

Mit seinen Bekannten scherzt er des Öfteren, dass sie alle schon längst Inventarnummern haben, weil sie so viel Zeit im Museum verbringen. Jetzt ist erstmal ein bisschen Ruhe eingekehrt. Ideen hat Buchfelder aber schon: Ein Wunsch wäre, "den Militärteil auf den neuesten Stand zu bringen". Kein Problem für den 67-Jährigen - daheim und sein zweites Zuhause liegen ja nur ein paar Meter auseinander.
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