Dankbar für Welle der Hilfe

In Erinnerung an die Tsunami-Opfer ließen die Bewohner des thailändischen Ban Nam Khem Hunderte von Laternen in den Himmel aufsteigen. Ihr Dorf war an Weihnachten vor zehn Jahren von den Monsterwellen verwüstet worden und ist mittlerweile wiederaufgebaut. Bild: dpa

Der zehnte Jahrestag des Tsunamis im Indischen Ozean ließ bei Betroffenen schmerzliche Erinnerungen hochkommen, aber auch Dankbarkeit für selbstlose Hilfe aus aller Welt. Manche Überlebende kämpfen heute erneut gegen Naturgewalten.

Wolkenbruch in Thailand, Überschwemmungen in Indonesien und Sri Lanka: Zum 10. Jahrestag der Tsunami-Katastrophe am zweiten Weihnachtstag hat die Natur ihre Unberechenbarkeit und Gewalt erneut unter Beweis gestellt. Während Menschen in aller Welt der unzähligen Opfer der Katastrophe von 2004 gedachten, kämpften in den damals am schwersten betroffenen Gebieten im indonesischen Aceh und auf Sri Lanka fast eine Million Menschen gegen schwere Überschwemmungen.

Der Tsunami wurde 2004 durch eines der schwersten je registrierten Erdbeben unter dem Meeresboden ausgelöst. Er brach mit 20 Meter hohen Wellen über Aceh herein, wo 170 000 Menschen umkamen. In Sri Lanka starben 40 000 Menschen. Insgesamt kamen in 14 Ländern fast eine Viertelmillion Menschen um.

Erneut düstere Wolken

Am Strand von Khao Lak in Thailand zogen am Freitag für die Jahreszeit untypisch düstere Wolken auf, als deutsche Seelsorger mit rund 100 Überlebenden und Angehörigen von Opfern zum Gebet zusammenkamen. Viele waren zum ersten Mal wieder in Thailand. Familien, Freunde, Ehepaare standen in Gedenken an verlorene Eltern, Kinder, Geschwister und Bekannte am Strand. Manche warfen Blumen ins Meer, ehe ein Wolkenbruch sie unter schützende Dächer naher Hotels trieb. "Die Bilder von damals haben ihren Schrecken nicht verloren. Die Panik, das Chaos, die Wucht, als die große Welle kam", hieß es in einem Grußwort von Bundespräsident Joachim Gauck. Der damals 15-jährige Ben Atréu Flegel erlebte die Katastrophe nahe dem Ort, wo die Gedenkfeier stattfand. "Mein Blut ist in diese Erde geflossen", sagte er. Seine Großeltern kamen bei dem Urlaub vor zehn Jahren ums Leben.

Gebete für die Opfer

In der Provinzhauptstadt Banda Aceh waren Tausende Menschen in die Moscheen gekommen. "Ich bete, dass die Opfer im Himmel sind und ihre Sünden vergeben werden", meinte Azimah. "Die Katastrophe zeigt, dass wir auch die dunkelsten Stunden überleben, wenn wir zusammenhalten", sagte Muhammad Anwar.

Neben der Trauer äußerten viele Redner Dankbarkeit, darunter der indonesische Vizepräsident Jusuf Kalla: "Ich habe noch nie eine so außergewöhnliche Solidarität und Großzügigkeit erlebt. Sogar die Kinder aus aller Welt, von Deutschland bis zu den Vereinigten Staaten, haben ihre Sparschweine geknackt und den Tsunami-Opfern Geld geschickt."

Die deutschen Überlebenden berichteten von der Großherzigkeit der Thailänder, von denen viele selbst fast alles verloren hatten. Thailands Regierungschef Prayuth Chan-ocha sagte in Khao Lak: "Zum schlimmsten Zeitpunkt haben wir das Beste gesehen, zu dem die Menschen fähig sind." In Sri Lanka fuhr ein Sonderzug mit Überlebenden genau bis zu der Stelle in Peraliya, wo damals eine Welle die Bahn traf.
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