"Dann gnade uns Gott"

Der heiße Sommer lässt die Bayerischen Staatsforsten zittern. Befürchtet wird im Frühjahr 2016 eine massive Borkenkäferplage. Spähtrupps sollen helfen.

Die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) wappnen sich für die im kommenden Frühjahr befürchtete Borkenkäferplage in den Fichtenwäldern des Freistaats. Vorstandschef Martin Neumeyer kündigte bei der Vorstellung der Jahresbilanz 2015 die Einrichtung einer "Borkenkäfer-Taskforce" an, in der bis zu 300 speziell geschulte Forstfachleute nach der Schneeschmelze auf Käfersuche gehen sollen.

Ziel sei es, von dem Schädling befallene Bäume "schnellstmöglich zu entnehmen und aufzuarbeiten", erklärte Neumeyer. Bayernweit sollen in den besonders gefährdeten Regionen - zu ihnen zählt der südliche Oberpfälzer Wald - 100 Suchbezirke eingerichtet werden. Ursache der befürchteten Plage ist der heiße und extrem trockene Sommer 2015, in dem die Käfer ideale Brutbedingungen vorfanden. Im Frühjahr bestehe deshalb die Gefahr einer "Käferexplosion", warnte Forstminister Helmut Brunner. Waldbesitzer könnten nun nur noch auf ein nasses und kaltes Frühjahr hoffen. "Wenn das nicht kommt, dann gnade uns Gott", sagte Brunner. Er forderte alle Waldbesitzer auf, nach dem Winter "professionelle Spähtrupps" in die Wälder zu schicken und befallenes Holz sofort zu verarbeiten.

Positiv trotz "Niklas"

Wirtschaftlich haben die Staatsforsten ihr Geschäftsjahr 2015 trotz der vom Orkan "Niklas" im April verursachten Schäden positiv abgeschlossen. Zwar sank der Umsatz sturmbedingt von 416 auf 404 Millionen Euro, auch der Jahresüberschuss ging um 11,6 auf 65,5 Millionen Euro zurück, trotzdem konnte das Unternehmen zum Ausgleich der Niedrigzinsen 28,5 Millionen Euro in den Alterssicherungsfonds für seine Mitarbeiter stecken und die Gewinnrücklagen für schlechte Geschäftsjahre auf 58 Millionen Euro aufstocken. 65 Millionen Euro führten die BaySF an den Freistaat als Eigentümer ab. Seit seiner Gründung vor zehn Jahren überwies das Unternehmen 600 Millionen Euro an die Staatskasse.

Waldumbau klappt

Auf das laufende Geschäftsjahr blickte Vorstandschef Neumeyer "verhalten optimistisch". Konkrete Prognosen könne er erst Mitte November vorlegen. Ein leicht gesunkener Holzpreis und die möglichen Folgen einer Borkenkäferplage könnten aber auf Umsatz und Ergebnis drücken. Neumeyers Vorstandskollege Reinhardt Neft zog eine positive Bilanz des bisherigen Waldumbaus in stabile Mischwälder. Der Prozess sei inzwischen so weit fortgeschritten, das teure Neuanpflanzungen immer mehr durch Naturverjüngung ersetzt würden. Neft kündigte zudem eine bessere Vermarktung des in den Staatsforsten erlegten Wildes an. Es seien zusätzliche regionale Verkaufsstellen für Wildbret geplant.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2015 (8435)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.