Das Schicksal der Schwarzen Mamba

Familie Leitz wollte ja ein Abenteuer erleben in Afrika: "Aber das ist dann doch ein krasses Gefühl, wenn dein Vater dir sagt, beweg dich lieber nicht - und du schaust nach hinten und siehst einen riesigen Elefanten", sagt die achtjährige Marie. Und dann natürlich noch die Sache mit der Mamba. Mission erfüllt, Abenteuer bestanden.

Ganz unvorbereitet setzten sich die Weidener diesem Nervenkitzel nicht aus - die gebürtige Kölnerin Ute Leitz war schon mit 20 für ein Jahr in Namibia. Sie und ihr späterer Mann Jo reizten dann die vollen sechs Jahre aus, die einem Ingenieur im Auftrag der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) für die Iso-Zertifizierung eines Hafens in Walvis Bay zwischen Atlantik und Dünen in der ehemaligen deutschen Kolonie maximal zugestanden werden.

Nina (10) und Marie (8) sind sogar im südlichen Afrika geboren. "Ich erinnere mich noch ein bisschen", sagt Nina, die bei der Rückkehr in die Oberpfalz dreieinhalb Jahr alt war. "Ich wäre gerne noch geblieben."

Drei Jahre ist es her, dass das Paar zuletzt einen Urlaub am ehemaligen Arbeits- und Sehnsuchtsort verbrachte - höchste Zeit für eine Rückkehr. "Diesmal sollte es eine richtige Tour werden, dafür waren die Kinder damals noch nicht alt genug", sagt die autodidaktische Schmuckdesignerin. "Eine gemeinsame Safari im August und September durch Namibia und Botswana, durch ungezähmte Natur", schwärmt die 44-Jährige. "Campen in absoluter Wildbahn, ein Steinbassin zum Grillen - das war's mit dem Komfort."

Zelt am Autodach

Die Nächte auf der Tour verbrachte das Quartett mit zwei Zelten auf dem Dach eines gemieteten Nissan-Geländewagens. Anspruch und Wirklichkeit - wie kam das Konzept bei den Töchtern an: "Naja", überlegt Nina, "man hat halt die Familie immer um sich herum." Entfaltungsspielräume ohne Eltern, Fehlanzeige - nichts mit Freizeit allein im eigenen Zimmer. "Manchmal hatte ich Heimweh", gibt Marie zu, "aber sonst war's ganz schön." Ankunft am Flughafen in Windhoek - im August verabschiedet sich der afrikanische Winter allmählich, der Frühling sendet erste Signale aus: "Eine herrliche Zeit, angenehme 25 Grad und fast keine Moskitos", erklärt Ute die bayerischen Sommerferien zur besten Reisezeit. Konsequenz: "Malaria-Schutz ist eigentlich nicht erforderlich." Familie Leitz ist die nächsten drei Tage auf Achse: 1000 Kilometer legen sie bis zu ihrem ersten Etappenziel zurück: der Moremi-National-Park in Botswana.

Afrika mag arm sein. Aber für Touristen ist der Spaß dennoch nicht ganz billig. "Man kommt an ein Tor", beschreibt die rheinische Frohnatur das Prozedere, "muss unterschreiben, dass man alle Risiken selbst trägt." Die privat geführten Camp-Sites, die Leitz bereits ein Jahr im voraus buchte, kosten dem Quartett zwischen 90 und 140 Euro am Tag. Dafür bekäme man ein hübsches Appartement in einem europäischen Mittelklassehotel. Allerdings laufen dort halt keine wilden Tiere frei rum.

"Das ist ziemlich cool, wenn neben dem Zelt Giraffen an ihren Blättern rumkauen", sagt Ute lachend. "Marie und ich haben's verschlafen", zeigt sie auf die Kinder. "Gar nicht", trotzt Marie. "Und ob", widerspricht Nina. Dafür haben die Teenies den Elefanten hinter dem Campingtisch hautnah miterlebt: "Nina wollte mich holen, um die Buschhörnchen anzuschauen", erzählt Marie immer noch ganz aufgeregt, "ich kam um die Ecke und sagte, da ist ein Elefant." Jumbo habe in Seelenruhe Früchte aufgesaugt. "Der hat uns gar nicht beachtet", bemerkt Ute, "der Touristenführer hat ihn dann vertrieben". Sicher ist sicher.

Die Bayern tingeln von Nationalpark zu Naturreservat - mal auf passablen Teerstraßen, meist jedoch im Schneckentempo auf Hucklpisten. Der Etosha-Park in Namibia ist eingezäunt und man muss abends vor Sonnenuntergang drin sein - genauso wie im privaten Naturpark Erindi, in dem auch nachts die Tiere ausgesperrt werden und das Wasserloch mit Elektrozaun geschützt ist - ein Zoo mitten in der Wildnis. Besser gefallen den Leitzens die naturnahen, offenen Parks in Botswana: "Die beiden zusammenhängenden Nationalparks Chobe und Moremi sind ein richtiges Paradies."

Freie Kalahari

In Botswana können die Tiere frei durch die Kalahari wandern, sobald die Regenzeit naht. "Namibia ist stärker reglementiert", sagt Ute. Ihr Traumort: "Der majestätische Brandberg, mit 2573 Metern der höchste Berg des Landes, sieht im rötlichen Licht des Sonnenuntergangs aus, als ob er in Brand stünde - mitten im Damaraland, einem großen Trockengebiet mit riesigen Bäumen, durch das Wüstenelefanten ziehen."

Und dann die Geschichte mit der Schwarzen Mamba: "Ich war nur einen Meter weg, und habe sie unter einer Wurzel bemerkt", schaudert's Nina. "Ich hab's den anderen erzählt." Die Eltern schlagen Alarm bei der Parkverwaltung. "Man hat gehört, wie sie geschossen haben", schaut Nina traurig. Das hatte die tierliebe 12-Jährige nun auch wieder nicht gewollt. Das Schicksal der Schlange bleibt offen: "Wir wissen nicht, ob sie tot ist oder einfach nur verschwand", sagt Mutter Ute.

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Mehr über Ute Leitz namibische Schmuck-Kreationen: www.mmooi.de
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