Das Warten hat kein Ende

Berufspendler mit ihren Autos auf der Zoobrücke in Köln. Die Stadt am Rhein hat einer Studie zufolge Stuttgart als Stadt mit den längsten Staus abgelöst. Durchschnittlich verbrachten die Kölner im vergangenen Jahr 65 Stunden wartend in ihren Autos. Experten gehen davon aus, dass sich die Lage nicht bessert. Denn das Straßennetz in Deutschlands Metropolen ist überaltert, marode und nicht mehr leistungsfähig. Bild: dpa

Der durchschnittliche Kölner Autofahrer steht im Jahr 65 Stunden im Stau. Wer regelmäßig auf dem Mittleren Ring in München unterwegs ist, verbringt sogar 68 Stunden im Stau. Abhilfe ist nicht in Sicht - im Gegenteil.

Dass Köln laut einer Studie Deutschlands Stauhauptstadt ist, überrascht Beate Falk aus dem Stadtteil Nippes kein bisschen. Sie hat darauf längst reagiert: Das Auto bleibt die meiste Zeit in der Garage, stattdessen hat sie jetzt sechs Fahrräder. Eins für jede Lebenslage. "Die vielen Baustellen hier, das ganze Gewühle - nee, da schwing ich mich doch lieber aufs Rad!"

Nirgendwo sonst in Deutschland müssen Autofahrer so oft warten wie auf dem Mittleren Ring in München. Demnach verschwenden Pendler auf den 26 Kilometern zwischen Lerchenauer Straße und Ifflandstraße rund 68 Stunden pro Jahr. Zwischen der Donnersberger Brücke und der Schlüsselbergstraße sind es rund 56 Stunden. Laut Inrix sind die beiden Strecken damit die staureichsten in ganz Deutschland - gefolgt von der Autobahn A1 bei Köln und der Berliner Friedrichstraße.

Bayern vorne dabei

Insgesamt verlieren Münchener Autofahrer rund 48 Stunden pro Jahr. Damit liegt die Landeshauptstadt auf Platz sechs hinter Köln (65 Stunden), Stuttgart (64), Karlsruhe (63), Düsseldorf (53) und Hamburg (48) und europaweit auf Platz 14. Unangefochtener Spitzenreiter in Europa ist London mit 96 Stunden. Für Nürnberg (bundesweit Platz 9) wurden 38 Stunden errechnet.

Hauptgründe für die Staus waren der Studie zufolge: Die Wirtschaft brummt, und viele Städte wachsen. Stauforscher Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen kennt aber noch einen Grund: Die Infrastruktur, die überwiegend aus der Nachkriegszeit datiert, ist marode. Und zwar nicht nur die Straßen, Brücken und Tunnel selbst, sondern zum Beispiel auch die darunter liegenden Kanäle und Rohrleitungen. "Es muss viel saniert werden, das haben wir überall." Schreckenberg prophezeit: "Wir werden da immer mehr Sperrungen haben, das geht weiter."

Köln, eine schnell wachsende Stadt mit täglich 300 000 Einpendlern, ist dafür ein gutes Beispiel: Weil die baufällige Leverkusener Rheinbrücke für schwere Fahrzeuge gesperrt werden musste, verstopfen Lastwagen nun die innerstädtischen Brücken. Dazu kommt: Die heutigen Anforderungen etwa an einen neuen Tunnel sind viel höher als früher. Deswegen können sich die Bauarbeiten schon mal hinziehen. Gleichzeitig wird es auf den Straßen immer voller. Der Pkw-Verkehr stagniert zwar oder nimmt sogar etwas ab. "Was aber drastisch zunimmt, ist der Lkw-Verkehr", betont Schreckenberg.

Besser sanieren

Das alles stimmt nicht gerade hoffnungsvoll. Man kann natürlich auf die nächste Wirtschaftskrise hoffen - in der letzten ging der Lkw-Verkehr um elf Prozent zurück. Schreckenberg meint, dass man mehr sanieren statt aufwändig neubauen solle. Außerdem fordert er, dass auf Baustellen Tag und Nacht und auch am Wochenende gearbeitet werden muss: "Man kann viele Dinge wesentlich schneller machen."
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