Der deutsche Oscar ist weiblich: Mit der Lola werden die Besten der Filmbranche ausgezeichnet
Politisch und experimentell

Die Bildkombo zeigt die Regisseure Edward Berger (oben von links), Johannes Naber sowie (unten von links) Dominik Graf und Sebastian Schipper. Sie sind in der Kategorie "Beste Regie" für den 65. Deutschen Filmpreis "Lola" nominiert. Bilder: dpa (4)
Klarer Favorit bei der Verleihung des 65. Deutschen Filmpreises: Mit gleich sieben Nominierungen geht der Echtzeit-Thriller "Victoria" heute abend ins Lola-Rennen. Experimentell, radikal und atemberaubend spannend - das sind die Attribute von Sebastian Schippers 140 Minuten langem, in einer einzigen langen Kameraeinstellung gedrehtem Berliner Bankräuber-Film. Bei der Berlinale musste sich der Überraschungscoup des Festivals noch mit einem Nebenpreis für die beste Kamera begnügen. Das könnte sich bei der glamourösen Lola-Gala im Berliner Palais am Funkturm ändern.

Sechs Bewerber

Mit "Elser - Er hätte die Welt verändert" ist zwar ein weiterer Film sieben Mal nominiert. Oliver Hirschbiegels Drama über das Hitler-Attentat fehlt allerdings in der Königskategorie Bester Film. Insgesamt haben sechs Regie-Arbeiten Chancen auf die Lola für den besten Spielfilm.

Um die Lola für den besten Schauspieler konkurrieren "Elser"-Darsteller Christian Friedel, Frederick Lau aus "Victoria" und Hanno Koffler ("Härte"). Als beste Schauspielerin muss sich "Victoria"-Darstellerin Laia Costa gegen Nina Hoss ("Phoenix") und Katharina Marie Schubert ("Ein Geschenk der Götter") behaupten.

Neben "Victoria" sind zwei sehr politische Filme für den Hauptpreis nominiert: In Burhan Qurbanis größtenteils in Schwarz-Weiß gedrehtem Drama "Wir sind jung. Wir sind stark." geht es um die ausländerfeindlichen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen 1992. Giulio Ricciarelli erzählt in seinem bewegenden Film "Im Labyrinth des Schweigens" die Vorgeschichte der Auschwitz-Prozesse in Frankfurt In Deutschland hat eine Viertelmillion Zuschauer den Film gesehen. International wurde das Drama in mehr als 50 Länder verkauft. Lola-Chancen hat auch der mit knapp 800 000 Zuschauern ebenfalls erfolgreiche Computerhacker-Thriller "Who am I - Kein System ist sicher" von Baran bo Odar, mit Tom Schilling und Elyas M'Barek in den Hauptrollen.

Ungeheuerer Sog

Der gerade im Kino gestartete Favorit "Victoria" erzählt von der Spanierin Victoria (Laia Costa), die in einem Berliner Club vier Jungs kennenlernt. Sie verliebt sich in den charismatischen Sonne (Frederick Lau). Gemeinsam lassen sie sich auf ein mörderisches Vorhaben ein. Die Kamera ist den Figuren dabei immer dicht auf den Fersen, die Erzählung entwickelt so einen ungeheuren Sog.

Der von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) vergebene Filmpreis ist mit Preisgeldern in Höhe von insgesamt knapp drei Millionen Euro die höchstdotierte Kulturauszeichnung Deutschlands.

Sieben Millionen Besucher

Schweiger, der seine Filme wie den jüngsten Publikumshit "Honig im Kopf" zuletzt gar nicht mehr eingereicht hatte, kommt jetzt trotzdem zu Lola-Ehren: Er erhält den undotierten Preis für den "besucherstärksten Film des Jahres". Schweigers Alzheimer-Tragikomödie "Honig im Kopf" haben knapp 7 Millionen Kinogänger gesehen.

Die Gala zum 65. Filmpreis moderiert Schauspieler Jan Josef Liefers. Eine Preisträgerin steht bereits fest: Kostümbildnerin Barbara Baum - sie kleidete die Schauspieler von Fassbinder-Filmen wie "Die Ehe der Maria Braun" und "Berlin Alexanderplatz" ein - nimmt die Ehren-Lola entgegen. Die Verleihung am Freitag, 19. Juni, wird am selben Abend um 22.45 Uhr zeitversetzt im ZDF ausgestrahlt.
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