Der ehemalige CSU-Wirtschaftsminister Michael Glos wird 70 Jahre alt - Steiler Aufstieg als ...
Es "fehlt ein bisschen die Macht"

Er war einer der dienstältesten Parlamentarier des Deutschen Bundestages, und der Abschied aus der Politik ist Michael Glos nicht leicht gefallen. Am 14. Dezember feiert Glos seinen 70. Geburtstag. Bild: dpa
Im vergangen Jahr hat sich der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Michael Glos endgültig von der aktiven Politik gelöst. 37 Jahre lang war der Unterfranke bis dahin Mitglied des Bundestags - und der Abschied fällt ihm immer noch schwer. "Ich befinde mich noch immer im Transit zwischen meiner aktiven und nichtaktiven Zeit", sagt der CSU-Politiker. Er ist noch oft in seinem Berliner Büro, jeden Morgen liest er vier Tageszeitungen, informiert sich über Börsendaten und hat die Tagespolitik im Blick. Am 14. Dezember feiert er 70. Geburtstag.

Glos ist gelernter Müller. Als junger Mann übernimmt er den Getreidemühlen- und Landwirtschaftsbetrieb seines Vaters im unterfränkischen Prichsenstadt. Nur wenige Jahre später, 1970, wird er Mitglied der CSU. Dem stetigen Aufstieg auf lokaler Ebene folgt die Bundespolitik: 1976 wird er Bundestagsabgeordneter. Er wird Sprecher der Fraktion für Finanzen, Wirtschaft und Verkehr. Von 1993 bis 2005 führt er die CSU-Landesgruppe an und ist damit Erster Stellvertretender Vorsitzender der Unionsfraktion. Innerhalb der Partei wird er ein mächtiger Mann und kann auch personelle Entscheidungen beeinflussen. Zu Angela Merkel hatte Glos ein sehr enges Verhältnis, sagt er. "Ich glaube auch immer noch, ohne mich wäre sie nicht Kanzlerin geworden. Das hing mit Weichenstellungen zusammen."

Mit Merkels Wahl zur Bundeskanzlerin kommt 2005 überraschend der Ruf zum Bundeswirtschaftsminister. "Ich war darauf nicht vorbereitet. Ich wollte es auch nie werden. Ich war ja eher Parlamentarier." Zudem sei das Ressort nicht wirklich passend für ihn gewesen. "Wenn ich mir jemals gewünscht hätte, Minister zu werden, wäre ich gern Finanzminister geworden." Dass er 2009 noch vor Ende seiner Amtszeit hinwarf, kam nicht von ungefähr. "Als Seehofer mein Parteivorsitzender geworden ist, wusste ich, dass meine Tage gezählt sind", sagt er rückblickend. Seehofer und Glos verbindet eine herzlich ausgelebte Gegnerschaft. Aber Glos habe keinen Groll gehabt, er habe einfach nur die Konsequenzen gezogen. "Ich wollte nicht unter jedem dienen." Bis 2013 bleibt er noch Bundestagsabgeordneter.

Vermisst er auch etwas aus seiner aktiven Zeit? "Natürlich fehlt ein bisschen die Macht. Aber ich kenne auch den Preis dafür." Das Politikerleben sei stressig gewesen - mit viel zu wenig Schlaf und falschem Essen zur falschen Zeit. Und endlich hat er auch Zeit für Privates. "Ich habe meine Kinder nicht aufwachsen sehen. Das will ich jetzt bei meinen sechs Enkeln nachholen." Zwei Söhne hat er mit seiner Frau Ilse, mit der seit 46 Jahren verheiratet ist. Eine große Geburtstagsparty wird der Franke nicht geben. Im Gegenteil. Er wird seinen Geburtstag mit seiner Frau auf einer Insel in Asien feiern.
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