Der FOS-Zoff

Die neue FOS/BOS in Weiden liegt direkt neben der OTH. Bild: Ascherl

Laut SPD gibt es in Bayern viel zu wenig Fachoberschulen - die Schüler müssten oft weit pendeln. Das Kultusministerium hält dagegen und spricht von einem "flächendeckenden Angebot".

Die Landtags-SPD fordert die Gründung neuer Fachoberschulen (FOS) in Bayern. "Es muss in jedem Landkreis ein FOS-Angebot in der Grundversorgung geben", erklärte SPD-Bildungssprecher Martin Güll in München. Diese müssten zumindest die am meisten nachgefragten Zweige Wirtschaft, Sozialwesen und Technik anbieten.

Derzeit gibt es in 25 bayerischen Landkreisen keine FOS. In der Oberpfalz sind es vier der sieben Landkreise. Keine FOS haben die Landkreise Tirschenreuth und Neustadt/WN, Schüler im Landkreis Amberg-Sulzbach müssen in die kreisfreie Stadt Amberg fahren. Ähnlich ergeht es Schülern im Landkreis Regensburg.

Güll geht davon aus, dass der Zulauf zu den FOS in den kommenden Jahren weiter ansteigen wird. Grund dafür sei die wachsende Zahl an "G8-Verweigerern", die zwar die Gymnasialeignung hätten, sich wegen der hohen Arbeitsbelastung an den achtjährigen Gymnasien oder wegen langer Schulwege an den Nachmittagen für den Umweg Realschule und FOS zum Abitur entschieden.

Derzeit seien bayernweit rund 50 Prozent der Viertklässler für das Gymnasium geeignet, nur knapp 40 Prozent wechselten dann aber auch an diese Schulart.

Güll forderte in diesem Zusammenhang auch, den Mindestnotendurchschnitt von 3,5 in der 10. Klasse der Realschule als Übertrittsvoraussetzung an die FOS zu streichen. "Diese Hürde muss weg", betonte er. Es müsse für den Übertritt auf die FOS die bestandene Prüfung zur Mittleren Reife genügen. Gymnasialschüler, die auf die FOS wechseln wollten, müssten schließlich auch nur die 10. Klasse erfolgreich abschließen.

Weg von riesigen Zentren

Wenn es in jedem Landkreis eine FOS auch außerhalb von Großen Kreisstädten gäbe, würde dies die Attraktivität der ländlichen Räume erhöhen, so Güll. "Der ländliche Raum lebt von seinem Schulangebot, deshalb sollte man bewusst auch außerhalb der größeren Städte einen Weg zum Abitur anbieten", erklärte er. Es sehe keinen Grund, warum nicht an größeren Realschulen in Landkreisgemeinden eine FOS angekoppelt werden sollte. Damit komme man auch von den riesigen Schulzentren mit ihren langen Schulwegen weg.

Es würde Realschulen aufwerten, wenn man dort eine "Art Oberstufe draufsatteln" würde, die zum Abitur führe, meinte Güll. Zumal dies ein wohnortnahes Angebot für viele Schüler wäre. Außer in Bayern gebe es in allen anderen Bundesländern diese "zweite Säule zum Abitur", dort zumeist an integrativen Schulen mit längerer gemeinsamer Schulzeit.

Nach Angaben des Kultusministeriums hat sich die Zahl der FOS in Bayern seit 2004 von 74 auf 107 erhöht. Damit sei ein flächendeckendes Angebot gewährleistet. Im gleichen Zeitraum sei die Zahl der Schüler an den FOS um über 50 Prozent auf 45 000 gestiegen. "Alle jungen Menschen in Bayern finden in ihrer Region eine Fach- und Berufsoberschule, die sie mit einem Mittleren Schulabschluss besuchen können, sofern sie die sonstigen Aufnahmebedingungen erfüllen", teilte das Ministerium mit.

Nicht auf dem Reißbrett

Auch die Freien Wähler kritisierten die SPD-Forderung. "Wenn die SPD am Reißbrett Fachoberschulen auf jeden Landkreis verteilt, verkennt sie die Realität in den ländlichen Räumen", sagte der bildungspolitische Sprecher der FW-Fraktion, Günther Felbinger. Wichtig sei, dass die Schüler eine Fachoberschule in akzeptabler Entfernung erreichen könnten - das könne auch im benachbarten Landkreis sein.
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