Der Kritiker der katholischen Kirche blickt auf die Oberhäupter seiner Zeit
Hans Küngs sieben Päpste

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Der Tübinger Theologe, Weltethosbegründer und Mahner Hans Küng meldet sich wieder zu Wort - mit einem Buch über die Päpste, die der 87-Jährige Zeit seines Lebens erlebt hat. In "Sieben Päpste. Wie ich sie erlebt habe" spannt er den Bogen vom heftig umstrittenen Pius XII. über den Kirchenreformer und Konzilspapst Johannes XXIII., bis zum amtierenden Kirchenoberhaupt Franziskus, auf dem die Hoffnungen so vieler Katholiken ruhen. Auch die von Küng.

So kann es nicht überraschen, dass der aus der Schweiz stammende Theologe zur Unterstützung des Argentiniers an der Spitze der katholischen Kirche aufruft: Wenn "dieser Papst eine umgehende Reform der Kirche bewirken will, so gewiss nicht im Alleingang. Er braucht auf seinem Reformkurs unbedingt die Unterstützung vieler, nicht nur von Reformgruppen, wie der Internationalen Kirchen-Volks-Bewegung ,Wir sind Kirche', sondern vor allem von Bischöfen und Priestern."

Im Gegenzug benennt Küng auch die Bremser, die Bewahrer. Als solchen hat der Tübinger den Präfekten der Glaubenkongregation, den früheren Regensburger Bischof, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, ausgemacht. "Der Papst möchte vorangehen - der ,Glaubenspräfekt' bremst." Zugleich setzt Küng darauf, dass sich Papst Franziskus nicht von diesem unter Druck setzen lassen werde. Anders als Müller denke Franziskus in Menschen, während der ehemalige Regensburger in "kirchlichen Traditionen" denke und als ehemaliger neuscholastischer Dogmatikprofessor den "unbarmherzigen Status quo beibehalten" wolle. Küng setzt darauf, dass sich Papst Franziskus mit seinem Suchen nach praktikablen Lösungen durchsetzt.

Küng ist ein Mahner der katholischen Kirche, und vor allem ein Kritiker des absolutistischen Anspruches den viele Vatikan-treue Theologen und Kirchenrechtler seit Jahrzehnten in das Papstamt hineininterpretieren. Zumal Küng nach dem Entzug der kirchlichen Lehrerlaubnis im Jahr 1979 durch Johannes Paul II. in der Öffentlichkeit vor allem als Opfer päpstlicher Macht wahrgenommen wurde - was der auch zu seinem Vorteil genutzt hat. Dieser Linie bleibt er auch in seinem neuen Buch treu.

Das Buch profitiert und lebt auch davon, dass den Schweizer mit jedem der von ihm beschriebenen Päpste Persönliches verbindet. Tatsächlich dürfte wohl kaum jemand sonst so viele Begegnungen und Briefwechsel mit den verschiedenen Kirchenoberhäuptern der vergangenen Jahrzehnte aufweisen können wie Hans Küng. Immerhin ist der Schweizer, damals 20-jähriger Student der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo, von Pius XII. empfangen worden. Das erste Kirchenoberhaupt, mit dem sich Küng auseinandersetzt.

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Hans Küng: Sieben Päpste. Wie ich sie erlebt habe. Piper-Verlag, 384 Seiten, München 2015, 24 Euro
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